Die Nabelschau wagen
Wenn um sie herum Regime stürzen, dann muss es auch möglich sein, über eine neue Sozialpolitik zu reden. So scheinen Hunderttausende Israelis zu denken. Ministerpräsident Netanjahu hat es schwer mit ihnen.
Wenn um sie herum Regime stürzen, dann muss es auch möglich sein, über eine neue Sozialpolitik zu reden. So scheinen Hunderttausende Israelis zu denken. Ministerpräsident Netanjahu hat es schwer mit ihnen.
FRANKFURT, 8. August. Unweit vom Verteidigungsministerium in Tel Aviv hängt noch ein Überbleibsel von der Demonstration am Samstag. "Haut ab", steht auf dem Plakat, das sich an die Obrigkeit wendet. Zunächst steht es da auf Arabisch, der Aufruf auf Hebräisch folgt darunter.
Sie protestieren gegen hohe Mieten, gegen teure Kindergärten und gegen Steuern. Bis zu 350.000 Israelis sind landesweit durch die Städte gezogen. Nun hat Ministerpräsident Netanjahu ein Expertenteam mit der Prüfung der Forderungen beauftragt.
hcr. JERUSALEM, 31. Juli. In Israel haben am Wochenende etwa 150 000 Menschen im ganzen Land gegen Wohnungsnot, Preissteigerungen sowie die Krise im Gesundheits- und Bildungswesen demonstriert. Alleine in Tel Aviv kamen laut Presseberichten am Samstagabend rund 60 000 Menschen zusammen.
In Israel sind am Wochenende 150.000 Menschen gegen Wohnungsnot, Preissteigerungen und die Krise im Gesundheits- und Bildungswesen auf die Straße gegangen. Ministerpräsident Netanjahu setzte einen „Dialogausschuss“ ein.
Der ehemalige SAP-Vorstand Shai Agassi sieht sich als Revolutionär. Mit seinem Elektromobilitätskonzern Better Place will der israelische Unternehmer die Welt aus der Abhängigkeit vom Öl befreien. Im Interview spricht er über Batterien und Fördermittel für Elektroautos.
Muli Katzurin geht seine neue Aufgabe als Cheftrainer der Frankfurt Skyliners mit Entschlossenheit an, legt aber Wert darauf, sich nicht in die Karten schauen zu lassen.
JERUSALEM, 24. Juli. Es begann mit zehn Zelten unter den Bäumen des Rothschild Boulevards in Tel Aviv. Gut eine Woche später demonstrierten dort mehrere zehntausend Israelis. "Das ist unser Tahrir-Platz", hieß es im Internet-Aufruf ...
Jacob Gutmark über den Streit um das Namentliche Gedenken in Wiesbaden und die Rolle der Jüdischen Gemeinde in der Stadt
FRAGE: Herr Gutmark, Sie sind gerade in Israel? ANTWORT: Ja, ich verbringe den Sommerurlaub mit meiner Frau, den Kindern und Enkeln in Tel Aviv. Bei dieser Gelegenheit bin ich auch zur Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem gegangen.
Die Israelis scheinen schier hungrig nach Leben. Das Verlangen, ein unbeschwertes, hedonistisches Dasein zu führen ist groß, ganz besonders in Tel Aviv. Die Stadt ist nicht Israel, die Stadt übertreibt maßlos – doch gerade darum kann man das Lebensgefühl der Menschen hier am besten aufspüren.
Wenn Palästinenser und Israelis sich treffen wollen, dann geht das meist nur illegal. Meine arabische Freundin Randa hat keine Erlaubnis für Tel Aviv bekommen, ihr israelischer Freund David darf eigentlich nicht nach Ramallah. Doch er fährt, im eigenen Auto, ab ins „Feindesland.“
In Tel Aviv lebt es sich leicht wie in einer großen Seifenblase – doch umso heftiger trifft es die Menschen hier, wenn sie jemand platzen lässt. Zurück vom Strand sitze ich mit Freunden im Heimkino, bis das Handy klingelt: Schießerei in einem Schwulencafé. War es religiöser Terror?
Ein Shabbatfrühstück in Tel Aviv stellt man sich eigentlich wenig politisch vor; in einer Nebenstraße der King-George-Flaniermeile sitze ich im begrünten Innenhof eines Cafés und stippe marokkanisches Brot in Sesampaste – bis meine Freundin über die Erlebnisse ihrer Soldatenkameraden in Gaza erzählt.
Ich bin den Menschen in Tel Aviv nicht ganz geheuer. Warum zur Hölle lebe ich hier, wenn mein Zuhause doch Berlin ist? Wie die Mücken zum Licht scheinen die Israelis gen deutscher Hauptstadt auszuschwärmen. Weil sie jung ist und modern – und weil dort tolle Männer sind. Warum der deutsche Mann auf israelische Frauen (und Männer) so anziehend wirkt...
Israel feiert diese Woche seinen Unabhängigkeitstag. Ein weiß-blaues Fahnenmeer ergießt sich auf den Straßen, jedes Auto, jedes Haus scheint mit Nationalsymbolik geschmückt. Die Israelis sind stolz auf ihren jüdischen Staat – ich schreibe meine ganz persönliche Sicht über das Land, die Palästinenser und den Konflikt.
Tel Aviv wird 100 Jahre alt. Die Stadt feiert sich selbst und dessen Bewohner ihren Livestyle: Die Metropole am Meer ist alles außer politisch – hier trägt man große Sonnenbrillen statt Flugblätter, ein Leben wie in einer großen Seifenblase. Doch manche wollen sie gerne zerplatzen lassen, mit Kunst auf grauem Beton.
Morgens erwecke ich Misstrauen am Checkpoint zwischen dem Westjordanland und Israel, abends zeigt sich ein palästinensischer Geschäftsmann spendabel. Warum ich nur mit Schwierigkeiten nach Israel einreisen durfte, warum das auch für die Wirtschaft Palästinas ein Problem ist und warum es dort dennoch florierende Geschäfte gibt.
Purim ist ein jüdischer Feiertag, der aussieht wie Karneval. Es herrscht Ausnahmezustand in Tel Aviv, Verkleidete torkeln über die Straßen und auch die Orthodoxen bechern, als ob es kein Morgen gäbe.
Es war der erste Anschlag seit meiner Ankunft in Israel im vergangenen Oktober. Ein Baggerfahrer rammt erst ein Polizeiauto, danach einen Bus, dann wird er erschossen. Ein deutscher Freund sah das mit eigenen Augen – und ein palästinensischer Freund ist froh, dass er dennoch abends auf meinem Balkon in Tel Aviv sitzen darf.
Seit über einer Woche führt Israel Krieg in Gaza, seit gestern sind auch Bodentruppen im Einsatz. Die Hamas, so heißt es offiziell, soll auf diese Weise zum Frieden gezwungen werden. Doch die Gräben im Land werden immer tiefer: ein palästinensischer Freund denkt darüber nach, Soldaten zu töten und auf einer Demonstration in Tel Aviv verprügeln rechte Israelis einen linken Friedensprotestler.
Terrorwarnungen für Tel Aviv, Hebron als militärisches Sperrgebiet: nach zwei Monaten Israel erfahre ich Gewalt aus Schlagzeilen und Erzählungen – doch mein Alltag ist ruhig. Sicherheitskontrollen werden normal, Angst hat man nicht und will man nicht haben. Auch, wenn man wie Dan einen Selbstmordanschlag überlebt hat.
Israel ist ein Rätsel für jeden Neuankömmling. Der Weg durch religiöse Tradition und Moderne ist verwirrend – vor allem rund um Yom Kippur.