Aufstand gegen die Modernisierung
Die Annexion der Krim ist nur das Symptom für eine Krise, die das gesamte russische Selbstverständnis erschüttert. Was wir in Russland zurzeit erleben, ist ein beispielloser Wertewandel.
Die Annexion der Krim ist nur das Symptom für eine Krise, die das gesamte russische Selbstverständnis erschüttert. Was wir in Russland zurzeit erleben, ist ein beispielloser Wertewandel.
Mit harschen Worten hat das russische Außenministerium gegen die Hitler-Äußerung von Finanzminister Wolfgang Schäuble protestiert. Unterdessen rief Außenminister Lawrow den Westen zu Gelassenheit auf.
Gerade erst hat der mächtige russische Erdgaskonzern Gazprom der Ukraine die Gas-Rechnung erhöht. Nun langt er nochmal kräftig hin, macht nun insgesamt 80 Prozent mehr.
Wegen der Annektion der ukrainischen Halbinsel Krim hat die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa die Zusammenarbeit mit Russland ausgesetzt – nur in einem Punkt nicht.
Die amerikanische Großbank JP Morgan hat wohl die Überweisung eines russischen Diplomaten blockiert. Moskau reagiert empört - und droht mit Vergeltungsmaßnahmen gegen Amerikas Botschaft.
Deutschland ist auf den Verkauf seiner Produkte in China viel mehr angewiesen als auf russisches Gas. Ohne den Riesenmarkt im fernen Osten müssten VW, Daimler, BMW zumachen.
Der Kreml will Soldaten von der Ostgrenze der Ukraine abgezogen haben. Nato-Generalsekretär Rasmussen sieht dafür keine Belege. Er spricht von einem „massiven Aufbau“ russischer Kräfte, der keinen Beitrag zur Deeskalation leiste.
Amerika traut dem von Russland angekündigten Teilrückzug seiner Truppen von der Grenze zur Ukraine nicht. Die Nato will im Osten zwar Flagge zeigen, aber Drohgebärden vermeiden.
Verschwörungstheorie bizarr: Ein Journalist versucht seinem Publikum von der New York University strategisches Denken einzubleuen. Seine Bomben vom Nutzen der NSA-Spionage zünden aber nicht recht.
Russland hat einen Teil der Truppen offenbar wieder abgezogen, die das Land an der Grenze zur Ukraine konzentriert hatte. Das teilten Vertreter der ukrainischen Regierung der F.A.Z. in Kiew mit. Präsident Putin informierte Kanzlerin Merkel ebenfalls darüber.
Deutschland ist der größte Kunde des Gasproms-Konzerns - aber bei weitem nicht so abhängig wie andere EU-Länder. Sind am Ende die Russen stärker auf die Energielieferungen nach Europa angewiesen als wir?
Russland zieht weitere Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen und pflegt gleichzeitig Entspannungsrhetorik. Manche vermuten einen Plan zur Föderalisierung des Landes.
Die Sprache Sergej Lawrows ist entlarvend: Der russische Außenminister dekretiert der Ukraine, was sie so alles tun „muss“. Putins Chefdiplomat dokumentiert so Moskaus Pläne.
Vor dem Treffen der Außenminister Kerry und Lawrow dämpfen westliche Diplomaten die Hoffnungen. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Putin mit seiner diplomatischen Initiative in Wahrheit eine weitere Eskalation vorbereitet.
Mitten in der Krim-Krise lahmt die russische Wirtschaft. Eigentlich braucht Russland westliche Technik und Effizienz. Aber im Zweifel bestimmt nur der Kreml. Wenn sich die Konfrontation mit dem Westen zuspitzt, hätte Putin zumindest einen Sündenbock.
Zwei Wochen Krim-Referendum haben sich auch die Tataren auf der Halbinsel für eine nationale und territoriale Autonomie ausgesprochen. Allerdings: Ob die angestrebte autonome Einheit innerhalb der Ukraine oder Russlands liegen soll, lassen sie offen.
Für die Wirtschaft ist Distanz das Gebot der Stunde, womöglich sogar Abstinenz.
Der Konflikt um die Ukraine macht sich bei deutschen Unternehmen bemerkbar: Das Russland-Geschäft geht spürbar zurück - so manche Handelspartner im Land wenden sich ab, offensichtlich aus politischen Gründen. Vor allem einen Krisengewinner gibt es dabei.
In den Streit um die Ukaine kommt Bewegung: Wladimir Putin ruft Barack Obama an, am Sonntag wollen sich Kerry und Lawrow treffen. Eine gemeinsame Initiative zur Lösung des Konflikts sei möglich, heißt es in Moskau. Der Kreml habe nicht „die geringste Absicht“, in das Nachbarland einzumarschieren.
Im westlichen Verteidigungsbündnis wird von manchen Partnern befürchtet, dass Deutschland nur zögerlich militärische Zeichen gegenüber Moskau zeigen wolle.
Das kann doch einen Kaufmann nicht erschüttern: Macht ihr ruhig eure Sanktiönchen, sagt die deutsche Wirtschaft, wir kümmern uns ums Geschäft.
Außenminister Steinmeier weist den Vorwurf aus Nato-Staaten zurück, Deutschland verhindere ein stärkeres Auftreten des Bündnisses gegenüber Moskau.
In der Krim-Krise sieht man: Der Echtzeitjournalismus ist schneller als die Reaktionszeit für einen Atomangriff. Er setzt auf die Semantik der Eskalation und wird dadurch selbst zur Waffe.
In der Debatte über die Abhängigkeit Europas von russischem Öl und Gas hat Vizekanzler Gabriel der deutschen Bundeskanzlerin widersprochen. Es werde fälschlicherweise so getan, als bestünden viele andere Möglichkeiten.
Deutschland trägt offiziell die Sanktionen gegen Russland mit. Aber hinter den Kulissen scheint die Bundesregierung wieder in die Rolle des Bedenkenträgers zu schlüpfen.
Julija Timoschenko will Präsidentin der Ukraine werden. Die selbsternannte Kandidatin hat keine ungetrübte Vergangenheit, und das hat nicht allein mit ihrem früheren Geschäftsgebaren zu tun.
Als Konsequenz aus dem Streit mit Russland will die Bundeskanzlerin die Energiepolitik neu bewerten. Die Abhängigkeit von Moskau soll sinken. Wird Kanada uns in Zukunft mehr Gas liefern?
Russlands Präsident zieht weitere Konsequenzen aus dem Streit mit dem Westen: Er will eigene Kreditkartenanbieter erschaffen - damit sein Land unabhängig von Visa und Mastercard wird.
Wegen Russlands Streit mit dem Westen ziehen Anleger Milliarden ab. Die Notenbank in Moskau will frisches Kapital für die Banken des Landes bereitstellen, sollten sie Finanzprobleme bekommen.
In der Sendung von Anne Will über die Krim-Krise prallen die Linie der Bundesregierung und die Sichtweise der Russlandversteher hart aufeinander. Für den Historiker Baring hingegen ist die gesamte Ukraine verloren.
Russland verstärkt seine Truppen an der Grenze zur Ukraine: 30.000 Soldaten, darunter Spezialeinheiten und Milizen ohne Hoheitsabzeichen. Die Amerikaner wollen deshalb mehr Nato-Präsenz in Osteuropa.
Krim-Krise hin oder her - Siemens hat Russland langfristige Investitionen versprochen. Ein Treffen mit Präsident Putin rechtfertigt Konzernchef Kaeser mit dem Hinweis darauf, es sei schon lange geplant gewesen.
Seit 2003 werden jährlich die Lebenswerke von Mathematikern geehrt. Dieses Jahr erhält den mit 750.000 Euro dotierten Abelpreis der russische Mathematiker Jakow Grigorjewitsch Sinai.
Julija Timoschenko ist nach eigener Aussage „bereit, dem Dreckskerl mit einer Kalaschnikow in die Stirn zu schießen“ - eine Äußerung, die für Regierungssprecher Seibert nicht akzeptabel ist. Unterdessen meldet Moskau, die Krim sei vollständig unter russischer Kontrolle.
Berlin steht ernüchtert vor den Trümmern seiner gutgemeinten Russland-Politik. Aber die alten Strukturen der Weltpolitik funktionieren noch. Putin sei Dank.
Sein Land werde sich Im Falle einer Militärintervention Russlands mit allen Mitteln verteidigen, kündigt der ukrainische Ministerpräsident Jazenjuk an. Der CDU-Europapolitiker Elmar Brok gesteht ein: „Die Krim geht nicht zurück“.