März zweizehn
Auf die Frage hat sie gewartet. Angela Merkel zieht den vorbereiteten Zettel hervor, die Mitschrift einer Pressekonferenz vom 10. März 2010, bei einem Berlin-Besuch des damaligen französischen Premierministers.
Auf die Frage hat sie gewartet. Angela Merkel zieht den vorbereiteten Zettel hervor, die Mitschrift einer Pressekonferenz vom 10. März 2010, bei einem Berlin-Besuch des damaligen französischen Premierministers.
Je länger die Euro-Krise dauert, desto stärker wird der Eindruck, dass sich die CDU von Helmut Kohls Europa-Politik abwendet. Viele in der Union sehen das positiv: Die Zeiten seien vorüber, in denen Deutschland die anderen EU-Mitgliedstaaten finanziere.
Unter Kohl war Konservativismus eine einfache Sache: Es war, wie es war. Ein paar Geschichtsumdrehungen weiter ist gar nichts mehr, wie es einmal gewesen ist, und Frau Merkel fordert, Veränderungen zu bedenken. Natürlich muss sie sich da die Frage gefallen lassen, warum man das als normaler Polizeirufer bei nächtlicher Ruhestörung tun sollte - würde man das wollen, wäre man doch Trotzkist, Anarchist oder wenigstens Entwicker riskanter Derivate an der Wall Street geworden, aber sicher nicht konservativ.
Das Gute an dieser Bambi-Verleihung war, dass man als Zuschauer vor dem Fernseher das Gefühl hatte, mit seinem Grausen nicht allein zu sein. Auch das Publikum im Saal schien von einer lähmenden Fassungslosigkeit ergriffen zu sein und reagierte auf das, was es sich da ansehen und anhören musste, indem es sich über weite Strecken totstellte.
Was weder Adenauer noch Kohl gelang, das ist nun ihrer späten Nachfolgerin Angela Merkel geglückt: Held eines Comics zu werden. „Miss Tschörmänie" heißt er, und er ist beileibe nicht so platt geraten, wie man das bei diesem Titel vermuten sollte.