Fretless-Bässe zu Flugsimulatoren oder Dilettantische Mittelalter-Musik in der Reclam-Edition
Diesmal: Schlimme Klänge von früher und Schönes von heute. Dazu: Ludwig Hirsch, Heinrich Steinfest und circa 30 Jahre Fretless-Bass
Diesmal: Schlimme Klänge von früher und Schönes von heute. Dazu: Ludwig Hirsch, Heinrich Steinfest und circa 30 Jahre Fretless-Bass
Unter Kohl konnte man noch einfach Andersdenkende diskriminieren, selbst wenn sie vermögend waren: Vielleicht nicht als Ökos öder Körnerfresser, sehr wohl aber als Toskanafraktion, Dunmerweise wohnen aber nicht nur linke Spinner zwischen Rom und Modena. Man brauchte also andere Hilfsmittel für den politischen Kampf, die den Nächsten und seine Einladung nicht vergrätzten.
Philipp Rösler wird also die FDP retten. Sehr schön. Nicht nur für die FDP. Eine Nachricht, die Deutschland gut zu Gesicht steht. Ein gebürtiger Vietnamese im Inner Circle der heimischen Politik: Wer hätte das vor ein paar Jahren noch gedacht? Für die FDP wie auch das Land ist Rösler ein Aufbruchsignal; da können die Sarrazins und die Bannerträger der Multikulti-ist-gescheitert-Fraktion doch dahinrotzen, was sie wollen.
„Alternativlos" ist als Unwort des Jahres 2010 eine gute Wahl. Zur Begründung heißt es, das Wort suggeriere, dass es bei einem Entscheidungsprozess keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit zur Diskussion und Argumentation gebe. Als Beispiel wird Bundeskanzlerin Angela Merkel angeführt, die die finanziellen Hilfen der Europäischen Union zur Stabilisierung Griechenlands als „alternativlos" begründet hatte. Das Unwort inspiriert zugleich zu einer kleinen Vorschau: Wetten, dass sehr bald eine „Paketlösung" alternativlos sein wird, um Griechenland umzuschulden und die Last der finanziellen Sorgen von Ländern wie Portugal und Spanien zu nehmen?
Mit der Folge vom 31. Dezember 2010 beendet Volker Reiche seinen Comic-Strip "Strizz" in der F.A.Z. Es war eine der größten Erfolgsgeschichten des deutschen Comics, und kein anderer Zeichner hat jemals zuvor wie Reiche seinen Zeitungscomic täglich aktuell produziert. Warum nun das Ende erreicht wird und was danach von Volker Reiche zu erwarten ist, steht hier im Gespräch mit dem Zeichner.
Auch für die Generation jener, die in Papas Porsche 911 zur Demo fuhren, kommt unweigerlich die Zeit, dass sie Abschied nehmen müssen von Maobibel, Lebensabschnittsgefährtin und den diversen Immobilien, die sich am Wegesrand beim Marsch durch die Institutionen so ansammelten. Und wäre die Weltrevolution gekommen, hätte man das alles sicher auch gern dem grossen Genossen Mao überlassen - aber es regieren Union und FDP, und die brauchen Geld für das Fiasko in Irland. Kein Wunder, dass sich die Erbschaftssteuer für die wegsterbende Generation der kinderlosen Genieser und ihrer Erben so unerfreulich gestaltet.
In der Schweiz können Kantone und Gemeinden bei den Steuern mit üppigen Spielräumen für die Abgebenzahlern agieren. In die gleiche Richtung geht auch ein aktueller Vorschlag des Bundesfinanzministers, was den schon existierenden Goldküsten des Landes durchaus gefallen könnte. Auch wenn man dort sicher viel Mitleid mit den weniger Glüücklichen hätte.
Da läuft die Frau jahrelang für die Ersatzkäufe ihrer Kontaktlinsen zum Augenarzt. Die Rechnungen sind horrend, aber was will man machen. Irgendwann flattert die Werbung für einen Linsenversender im Internet ins Haus. Der Hinweis, einmal dort die Preise zu vergleichen, wird nach Sichtung der Ablage, also nach einiger Zeit befolgt. Das Ergebnis: Auf die übliche Bestellmenge lassen sich mehr als 100 Euro sparen.
Zu lange hat die neue Opel-Welt des Betriebsrats Klaus Franz die Mahnungen des Treuhand-Chefs Fred Irwin übertüncht. Jetzt sind wir in der Realität angekommen. Opel ist ein amerikanisches Unternehmen, keine deutsche Industrieikone.
Man wird aber das Gefühl nicht los, dass die teure Krise das Volk wenigstens etwas wacher gemacht hat. Das gilt zum einen mit Blick auf die Unterstützungsorgien für Unternehmen wie Opel oder Quelle, die nicht gut ankommen, wenn der eigene Arbeitgeber mit Bordmitteln durch die Krise kommen muss. Und das gilt auch für die Koalitionsverhandlungen: Jedenfalls scheitern die Politiker doch wieder etwas häufiger damit, dem interessierten Teil der Bürger ein X für ein U vormachen zu wollen.
Es ist alles gut. Doch. Wirklich. Niemand hat das Recht sich zu beschweren; es ist, wie es ist, und die Mehrheit hat entschieden, die wollen das so. Solange man auf der Seite der Gewinner ist - und irgendjemand muss schliesslich gewinnen, es kann nicht nur Verlierer geben - ist alles prächtig. Die Aussicht. Das Wetter. Der Wein am Strand. Es passt schon alles so, wie es ist. Besser so, als, sagen wir mal, Wohnungszwangswirtschaft, Kollektivierung und Staatsbetriebe. Zumindest etwas besser. Glaube ich.
Natürlich könnte man den Staat umkrempeln und noch mehr arbeiten, die Unternehmen entlasten und die Bevölkerung ihre Feiertage gefällogst selbst zahlen lassen. Natürlich geht es auch ohne Nettigkeit, und Maschinen und Schwarzarbeiter und die Inder auf der verlängerten Werkbank verlangen keinen freien Pfingstmontag. Und würde man das Erdbeerfeld überbetonieren und eine Verkaufshalle darauf errichten, könnte man auch viel Geld verdienen. Sowie jede Menge Verachtung meinerseits, für diese elende Effizienzsuche auf Kosten des gesellschaftlichen Zusammenhalts.