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Walser in Afghanistan, Derrida unter der Erde

In der heutigen Ausgabe der ZEIT die einsame Stimme eines Rufers, altersweisen Mahners, wortgewaltigen Anklägers: Martin Walser schreibt einen offenen Brief, an die „sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin" - ganz old school, dem Anlass angemessen, was auch die Ohren von uns jungen Wilden zur Abwechslung als durchaus angenehm empfinden, die wir die Regierungs- und Parteichefin ansonsten nur salopp „Angie" nennen, in der leichtsinnigen und eigentlich durch nichts begründeten Fehldeutung, sie sei „eine von uns". Walser, weder als Politiker noch politischer Schriftsteller auftretend, wie er gegen Ende des Schreibens selbst ausdrücklich betont, bedauert darin den Afghanistan-Krieg - den Krieg, der nach offiziellem dictum alles sein darf, nur das nicht - als grandiosen Irrtum und fordert den raschen Abzug der deutschen Truppen. Als Kronzeugen ruft er den gerade eben verstorbenen, früheren Vietnam-General Robert McNamara auf, der auch prompt und prägnant im Sinne der Anklage aussagt, und orientiert sein Plädoyer ansonsten an den Prinzipien eines gesunden Menschenverstands, nur gelegentlich abschweifend in die leise Andeutung klammheimlichen Spotts:

Thomas Strobl
09.07.2009 12:18 Uhr

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Ist Horst Köhler "on to something" ?

Es ist 2 oder 3 Jahre her, da saß ich in den USA in einer Veranstaltung und lauschte dem Herausgeber eines bekannten US Nachrichtenmagazins, gleichzeitig bekennender Republikaner, bei seinem Vortrag; es ging um die Politik von Präsident George W. Bush, das Auditorium bestand zu 80% aus amerikanischen Managern, insofern war die zur Schau getragene Kritik am damaligen Kurs des US Präsidenten entsprechend verhalten, zumindest nach europäischen Maßstäben. In seiner Rede machte der Vortragende aber an einer Stelle eine Bemerkung, die bei mir offenbar hängen geblieben ist und gestern spontan in mein aktives Bewusstsein schoss: Er wüsste auch nicht genau einzuordnen, was Bush und die Neocons da eigentlich im Irak und in Afghanistan genau bezweckten, er glaube jedoch - ja, er hätte da so ein diffuses Gefühl -, da sei vielleicht mehr, als mit bloßem Auge sichtbar wäre: „I believe the President is on to something". Nun ist Horst Köhler nicht George W. Bush, und die Soziale Marktwirtschaft ist nicht Afghanistan, und wenn ich nicht gestern die Gedanken eines wiederum ganz anderen Mannes auf mich wirken lassen hätte, dann wäre ich im Leben nicht auf die Idee gekommen, derartig schräge Assoziationen zwischen Köhlers Berliner Rede und diesem USA-Erlebnis überhaupt zum Besten zu geben. Aber sei's drum: Ich habe gestern Oswald von Nell-Bräunigs „Worauf es mir ankommt" gelesen, einen unscheinbaren, nicht mal 100 Seiten starken Vortragsband, in welchem die Meilenstein-Reden des legendären katholischen Sozialethikers abgedruckt sind. Und darin findet sich folgende Passage, im Anschluss an seine zutreffende Feststellung, dass in Zeiten schneller Produktivitätszuwächse Arbeitsplatzabbau stattfindet, der nicht ohne weiteres kompensiert werden kann:

Thomas Strobl
03.04.2009 12:58 Uhr

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