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Das Geheimnis ihrer Augen oder: Von der Macht der Fiktion

Bitte sehen Sie mir nach, wenn ich noch einmal von dem Film erzähle, der mich beim Festival in San Sebastián so beeindruckt und der am Ende unerklärlicherweise keinen einzigen Preis gewonnen hat. Womit ich nicht sagen möchte, die Jurys hätten sich nach mir oder meinem Geschmack zu richten. Aber der argentinische Film El secreto de sus ojos (Das Geheimnis ihrer Augen) von Juan José Campanella hat doch überall, wo man ihn sehen kann, so erstaunliche Publikumsreaktionen ausgelöst, dass man sich fragt, wie dergleichen Missachtung bei Spaniens wichtigstem Festival möglich war.

Paul Ingendaay
11.10.2009 21:40 Uhr
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Lob der spanischen Anbetungskultur

Seit ich genötigt wurde, zusammen mit einer entfesselten Kollegenmeute und unter widrigen Bedingungen Brad Pitt zu fotografieren, habe ich viel über die Anbetung der Stars nachgedacht. Spanien hat ja keine Boulevardpresse wie Deutschland, also keine „Bild", keinen „Express" und dergleichen, sondern eine Batterie wöchentlich erscheinender Magazine, die sich der flächendeckenden Darstellung des Privatlebens von Stars und Prominenten widmen und aus der bedingungslosen Adulation eine akzeptierte journalistische Gattung gemacht haben.

Paul Ingendaay
30.09.2009 12:43 Uhr
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Plastik und Granit oder: In welcher Welt bewegen wir uns eigentlich?

Vor ein paar Tagen wurden wir hier auf ein Phänomen namens „Bolsa caca" aufmerksam gemacht. Ich weiß nicht, ob alle wissen, worum es sich dabei handelt, aber da ich mich inzwischen umgehört habe, darf ich es sagen: „Bolsa caca" - soviel wie „Tüte pfui" - ist eine pseudoökologische Kampagne großer spanischer Kaufhäuser, die vor ihren Kunden rechtfertigen wollen, dass sie von nun für die Plastiktüten, in denen der Kunde seine Waren abtransportiert, Geld fordern werden.

Paul Ingendaay
10.09.2009 18:05 Uhr
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Siebzig Jahre Scham: Die Totenruhe des Bürgerkriegs

Am 30. August 2006 erschien in der F.A.Z. meine Reportage über eine Exhumierung zweier Bürgerkriegstoter in Navalcán (Toledo). Fast auf den Tag drei Jahre später war ich wieder bei einer Totenausgrabung dabei, diesmal in Lario (León). Je kleiner die Dörfer, desto unheimlicher die Vorgänge. Lario hat im Winter 42 Einwohner. Auch Navalcán ist nicht groß. Und es bleiben so viele Tote, dass man bei dem gegenwärtigen Tempo noch weit mehr als hundert Jahre zu tun hätte.

Paul Ingendaay
01.09.2009 22:41 Uhr
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Meine Fahrt nach León oder: Landstraßenroman gegen Flussroman

Am Freitag und Samstag war ich in der Provinz León, in einem Dorf namens Lario. Dort, etwas außerhalb, auf einem Feld, das sehr malerisch vor den Bergen liegt - ganz nah ist der tieftürkisfarbene Stausee von Riaño, es ist eine Gegend für Wanderer, Naturfreunde und Radfahrer - haben sie die Gebeine einer Lehrerin und eines Lehrers ausgegraben, die am 30. September 1936 von Falangisten erschossen wurden. Der heute 91 Jahre alte Sohn der Lehrerin saß mehrere Tage lang dabei und schaute den Grabungen zu. Seit Jahrzehnten hatte er darauf gewartet. Jetzt war er sehr nervös. Was, wenn man nichts fände?

Paul Ingendaay
30.08.2009 23:15 Uhr
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Rafael Chirbes und die Arbeiter der Literatur (2)

Es gibt solche Fälle. Etwa den des spanischen Schriftstellers Rafael Chirbes, der im deutschsprachigen Raum bekannter sein dürfte als in Spanien. Seit seinem Roman La larga marcha (1996, deutsch unter dem Titel Der lange Marsch) behandeln ihn die Kulturteile der Zeitungen mit größter Achtung, und das gilt auch für Bücher wie Viejos amigos (2003, deutsch als Alte Freunde) oder Crematorio (2007, Krematorium), die am Anfang ein bisschen Geduld erfordern.

Paul Ingendaay
25.08.2009 15:59 Uhr
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Die beste Untertanentradition der Kanzlerin

Gross sind die Klagen wegen jenes kleinen Essens, das die Kanzlerin für den Chef der deutschen Bank gab; eine Petitesse jedoch ist der Aufwand gegen den Schaden, den nun das bankenfeindliche Geplärre anrichtet. Frau Merkel darf sich jedoch historisch auf der richtigen Seite wissen, denn sie hat sich exakt so verhalten, wie es das alte Herkommen verlangt. Alldieweil und sintemalen wir hier grössten Wert auf Anstand und Sitte legen, betrachten wir es als angebracht, uns als Palladin für die Ehre und Tugend von Frau Merkel auf der Wallstatt der Publizistik zu verwenden - wenngleich wir auch finden, dass es ruhig etwas mehr hätte sein können

Don Alphonso
25.08.2009 07:25 Uhr
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Der Himmel zwischen den Hörnern

Als mir noch einmal die Zeitung vom letzten Freitag in die Hände fiel, sah ich wieder das Foto: Der Enkel von Ernest Hemingway posiert fünfzig Jahre nach dem letzten Besuch seines Großvaters in Pamplona vor der steinernen Dichterbüste, um deren Hals ein rotes Halstuch liegt. Daneben steht ein Mann, der den Hemingway-Ähnlichkeitswettbewerb gewonnen hat. Hübsch. Ein nostalgisches Blatt aus dem Leben des Mannes, den sie „Papa" nannten.

Paul Ingendaay
14.07.2009 21:19 Uhr
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Tod am Morgen oder: Das Selbstbild einer streitlustigen Gesellschaft

Heute habe ich mich in die Internetausgaben spanischer Zeitungen versenkt, besonders in die minütlich anschwellende Rubrik der Leserkommentare. Ich wollte wissen, was die Menschen über den Tod des siebenundzwanzigjährigen Daniel Jimeno Romero aus Alcalá de Henares denken. Jimeno Romero wurde heute morgen beim Stierlauf der "Sanfermines" von Pamplona tödlich verletzt.

Paul Ingendaay
10.07.2009 19:49 Uhr
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Der Gastgeber des Moncloa-Palasts oder Kann man lächelnd die Wahrheit sagen?

Heute morgen - Samstag - habe ich sehr lange El País gelesen. Abonnenten bekommen schon am Vortag das Sonntagsmagazin El País Semanal beigelegt, so dass wir gleich mit einem Wissensvorsprung ins Wochenende starten. Wir Abonnenten von El País. Wir Leser und Leserinnen der größten Tageszeitung Spaniens. Wir Anhänger der demokratischen Kultur. Und bevor Sie beim sonntäglichen Frühstück sitzen und El País Semanal durchblättern (sollte das zu Ihren Gewohnheiten gehören), sagt Ihnen Sanchos Esel, was Sie darin erwartet.

Paul Ingendaay
28.06.2009 01:50 Uhr
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Eine spanisch-deutsche Kulturgeschichte der Missverständnisse (2)

Ich wollte unbedingt noch die Sache mit dem Kölner Dom erzählen. Also. Vor ein paar Jahren kündigte mir ein spanischer Bekannter an, er fahre zum erstenmal in seinem Leben nach Köln und freue sich sehr darauf. Besonders der Kölner Dom, der interessiere ihn. Er habe viel von ihm gehört. Auch, dass er sehr schön sei. Ich nickte dazu. Der Kölner Dom ist sehr schön. Ich kann es nicht anders sagen.

Paul Ingendaay
15.06.2009 10:03 Uhr
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Eine spanisch-deutsche Kulturgeschichte der Missverständnisse (1)

Kürzlich hatte ich die Ehre und das Vergnügen, vor der Spanischen Handelskammer in Deutschland zu sprechen. Der Ort war der Plenarsaal der IHK in Frankfurt am Main. Die Spanische Handelskammer in Deutschland feiert in diesen Tagen ihr achtzigjähriges Bestehen, und allein schon die Vorstellung, dass Spanien bei der Gründung dieser Institution vom Diktator Miguel Primo de Rivera regiert wurde, dass der Tod Stresemanns unmittelbar bevorstand und die Weimarer Republik schon fast auf dem Bauch lag, macht einem bewusst, wie viel Zeit achtzig Jahre sind.

Paul Ingendaay
10.06.2009 21:39 Uhr

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Getötete Frauen: Ende eines mageren Rekords

Ob 36 oder 37 Tage, soll jetzt egal sein. Die Zahl bezeichnet einen Rekord – die längste Zeitspanne in acht Jahren, in der in Spanien keine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wurde. Nachdem wieder eine fünfundzwanzigjährige Ecuadorianerin in Madrid erstochen worden ist – am 4. Februar, genau an dem Tag, als die Zeitung El Mundo den Rekord verkündete -, können die Statistiker mit dem Zählen von vorn beginnen.

Paul Ingendaay
11.02.2009 17:24 Uhr

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