„Herr Hoeneß, erzählen Sie keinen vom Pferd!“
Für Uli Hoeneß geht es vor Gericht vom ersten Moment an bergab. Sein Verteidiger versucht ihn davor zu bewahren, sich um Kopf und Kragen zu reden - und haut dafür sogar mehrmals kräftig auf den Tisch.
Für Uli Hoeneß geht es vor Gericht vom ersten Moment an bergab. Sein Verteidiger versucht ihn davor zu bewahren, sich um Kopf und Kragen zu reden - und haut dafür sogar mehrmals kräftig auf den Tisch.
Uli H. ist nicht der Erste. Von „Champagner-Willi“ bis zum J.R. von Wanne-Eickel: Es sind nicht die blassesten Präsidenten, die dem Fußball ein solch schönes Panoptikum an krimineller Energie beschert haben.
Laut Anklageschrift hat der Präsident des FC Bayern nicht nur 3,55 Millionen Euro an Steuern hinterzogen. Uli Hoeneß soll zudem seine Steuerschuld mit privaten Verlustvorträgen zu Unrecht um 5,5 Millionen Euro nach unten gedrückt haben. Ihm drohen mehrere Jahre Haft.
Ist der Präsident noch der Machthaber von Bayern München oder schon das Maskottchen? Beim Verein hat er sich rechtzeitig entbehrlich gemacht – vor dem juristischen Auswärtsspiel mit ungewissem Ausgang.
Ebenso wie Uli Hoeneß bevorzugt Richter Rupert Heindl klare Worte. Details sind dem 47 Jahre alten Juristen wichtig, Deals lehnt er dagegen ab: Prozesse sucht Heindl nicht durch Absprachen zwischen den Verfahrensbeteiligten abzukürzen.
Von diesem Montag an steht Uli Hoeneß in München vor Gericht. Seine Geschichte bietet viel Stoff für ein großes Drama der Gegenwart: Gier, Macht, Absturz. Die Richter werden sich aber nur mit einem recht schnöden Vorwurf beschäftigen - dem der Steuerhinterziehung.
Deutschlands berühmtester Steuersünder wird keinesfalls frei gesprochen. Allenfalls mit „mildernden Umständen“ käme Uli Hoeneß um das Gefängnis herum.
Der ADAC kommt nicht zur Ruhe: Der Automobilclub muss nach einem Medienbericht Steuern in Höhe von fast 500 Millionen Euro nachzahlen. Die Prüfer sehen „Anhaltspunkte für eine Steuerhinterziehung“.
Am Montag beginnt der Prozess gegen den Präsidenten des FC Bayern München. Nach Informationen der F.A.S. kann Uli Hoeneß nicht mit einem Freispruch rechnen. Ihm droht eine Bewährungsstrafe, eine Geldstrafe oder sogar eine mehrjährige Haftstrafe.
Thomas Fischer ist Richter am Bundesgerichtshof. Im Interview spricht er über Haftstrafen für Steuersünder, die Ungerechtigkeit der Selbstanzeige und Gründe für den Kauf von Daten-CDs.
Am Montag beginnt der Prozess gegen Uli Hoeneß. Ein Urteil ist schon jetzt gefällt: Der Präsident des FC Bayern hat als Vorbild ausgedient.
Steuerhinterziehung hat in Deutschland eine lange Tradition. Jetzt sind die Schlupflöcher eng geworden. Die Superreichen aber haben noch einige Möglichkeiten.
Wer mit Steuerhinterziehern zu großzügig verfährt, riskiert den Ärger der braven Steuerzahler. Wer den Strafzuschlag aber stark erhöht, könnte ein sinnvolles Instrument bedeutungslos machen.
Die Schweizer Banken wollen deutsche Steuerhinterzieher loswerden. Jetzt wird es eng.
Steuersünder können mit einer Selbstanzeige Einfluss auf die strafrechtliche Verurteilung nehmen. Doch wie ist eine fehlgeschlagene Selbstanzeige zu bewerten? Vor dem Hoeneß-Verfahren kommen Fragen auf.
Uli Hoeneß’ Selbstanzeige soll nicht strafbefreiend sein. Die Anklage gehe davon aus, dass er die Anzeige nicht aus freien Stücken oder Reue verfasst habe. Zudem soll sie fehlerhaft sein und Lücken aufweisen.
Es wurde doppelt so viel Geld versteckt, wie bisher bekannt: Tausenden reichen amerikanischen Kunden hat die Schweizer Großbank zur Steuerflucht geholfen - die genauen Praktiken zeigt ein aktueller Bericht.
Die Großbank UBS hatte geholfen, Milliarden vor dem deutschen Fiskus zu verstecken. Dann tauchte eine Steuer-CD auf. Nun ist sie angeblich bereit, bis zu 200 Millionen Euro Strafe zu zahlen.
Die Summe ist offenbar noch höher als bislang bekannt: Die Anklage beziffert Uli Hoeneß Steuerschuld nach Medienrecherchen auf 3,5 Millionen Euro. Der nicht gemeldete Gewinn habe fast zehnmal so viel betragen.
Deutschland erwägt, strafbefreiende Selbstanzeigen für Steuerhinterzieher zu erschweren. Das passt der Wirtschaft nicht. Griechenland geht jetzt den umgekehrten Weg.
Von einer Abschaffung der Selbstanzeige wären auch viele Fälle betroffen, von denen bislang nie groß die Rede war. Zum Beispiel beim Kindergeld: Wer das Ende der Ausbildung verschweigt, begeht Steuerhinterziehung.
Alle reden über die Unmoral von Alice Schwarzer & Co. Warum redet keiner über die Verkommenheit des raffenden Staates?
Nicht nur die Superreichen hinterziehen Steuern, auch Moralapostel erliegen der Versuchung. Gut, dass sich die öffentliche Meinung geändert hat.
In einer Sondersitzung hat das Berliner Abgeordnetenhaus den Regierenden Bürgermeister befragt. Wowereit rechtfertigte seine Entscheidung, Kulturstaatssekretär Schmitz trotz Steuervergehens im Amt zu belassen, mit „Loyalität“.
Günther Jauch hat sich in seiner Sendung dem Thema Steuerhinterziehung gewidmet: „Schwarzer und Co am Steuer-Pranger - Endet beim Geld die Moral?“ Oder liegt es vielleicht am fehlenden Selbstwertgefühl?
In der großen Koalition verschärft sich der Konflikt über den Umgang mit reuigen Steuersündern. Nun meldet sich SPD-Generalsekretärin Fahimi zu Wort: Sie will die strafbefreiende Selbstanzeige auf Bagatellfälle beschränken.
Warum man noch einmal darüber nachdenken sollte, ob es richtig ist, die Steuerhinterziehung in Bausch und Bogen zu verdammen.
Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung klagen die Vereinigten Staaten einen Schweizer Banker an. Es ist der neueste Fall auf einer langen Liste. Auch die Großbank UBS war schon dran.
Der Verlust seines Vertrauten André Schmitz ist eine Niederlage für Klaus Wowereit. Doch seine Gegner waren auch in der Vergangenheit nicht in der Lage, solche Vorlagen für sich zu nutzen.
Die Europäische Union will das Bankgeheimnis aufweichen, um Steuerhinterziehern das Leben zu erschweren. Die Verhandlungen mit Österreich und Luxemburg sind weiter als mit der Schweiz. Merkel setzt die Schweiz jetzt unter Druck.
Nicht nur der Regierende Bürgermeister war über die Steuerhinterziehung von Kulturstaatssekretär Schmitz im Bilde. Indes kritisierte Neuköllns Bezirksbürgermeister Buschkowsky Wowereit für dessen Untätigkeit.
Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Doch die Selbstanzeige ist eine Chance zur Rückkehr in die Steuerehrlichkeit.
Trotz rechtlicher Bedenken sind Steuer-CDs eine der effektivsten Waffen zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung. Die Qualität der erbeuteten Daten ist aber sehr unterschiedlich.
Alice Schwarzer wusste den Auftritt bei „Hart aber Fair“ zu vermeiden. Umso ungezwungener diskutierte die Runde die Steuerhinterzieher des Tages.
Alice Schwarzer, Theo Sommer, André Schmitz - die jüngsten Fälle von Steuerhinterziehung sorgen für eine Debatte. Die SPD fordert härtere Strafen, auch müsse die Straffreiheit bei Selbstanzeige fallen. Die CDU hingegen will an der aktuellen Regelung festhalten.