Zurück nach Aotearoa
Reise rückwärts - in eine wechselvolle Geschichte.
Reise rückwärts - in eine wechselvolle Geschichte.
Und noch ein Rekord: Treppenläufer Thomas Dold stürmt den Sky Tower in Auckland
Gleich hebt meine Maschine ab. 24 Stunden Flug. Zurück nach Europa. Der Kapitän spricht eine Schweinepest-Warnung durchs Mikrofon. Wer sich unwohl fühle, Kopf- oder Gliederschmerzen habe, solle sich doch bitte melden, damit man ihn beim Zwischenstopp in Hongkong der chinesischen Gesundheitsbehörde übergeben könne. Mit ist unwohl. Nach drei Kopfschmerztabletten dröhnt mein Schädel immer noch und mein Magen schreit nach Vergeltung. Was für eine letzte Nacht in den Clubs von Auckland! Viele chinesische Passagiere tragen Mundschutz, ich schmeiße zwei „Fisherman's Friend" ein und beschließe, mein Unwohlsein für mich zu behalten.
Neuseeland mag von der Weltkarte rutschen. Die All Blacks mögen das nächste Heimspiel gegen Australien verlieren. Die All Whites (die neuseeländische Fußball-Nationalmannschaft) mögen sich auch in den nächsten 100 Jahren nicht für die WM-Endrunde qualifizieren. Was soll's, eines gilt für alle Zeiten: Ein Neuseeländer war der erste Mensch auf dem höchsten Berg der Welt - und wird es für immer bleiben.
In der Backpacker-Herberge „The Villa" gibt es warmen Apfelstrudel und Vanilleeis. Angus schnappt sich die verstimmte Gitarre und gibt ein paar scheppernde Akkorde zum Besten, die ein wenig nach „AC/DC unplugged" klingen. Dann holt er ein Fläschchen Rotwein aus dem Rucksack. Nach drei Gläsern sagt auch der Russe was. Er wohne nun schon seit Jahren in Neuseeland, sagt er, aber so richtig habe er sich noch nicht an die Lebensart gewohnt. Dieses freundliche Gequatsche immer. In Sibirien sei das anders.
Als Bob Marley mal zum Kiffen nach Neuseeland kam, soll er angeblich gesagt haben, dass das Zeug einen hier mehr weghaut als in Jamaika. Und wer, wenn nicht Bob Marley, hat das Recht dazu, so etwas zu beurteilen? „Das Zeug haut dich weg wie LSD, Alter", sagt auch Uwe aus Deutschland, der in Auckland einen Nachtclub eröffnen will.
Es ist noch dunkel in Auckland. Der Wind bläst schwarze Wolken über die Stadt. Eine Prozession dunkler Gestalten zieht zum „War Memorial Museum“. Die Flaggen sind gehisst. Ein Dudelsack ertönt. Es ist kurz vor sechs Uhr morgens, wir schreiben den 25. April 2009 – ANZAC Day. Der 25. April ist für das junge Neuseeland eine Art nationale Geburtsstunde und der wichtigste Feiertag des Jahres.
Es ist tiefster Winter und es ist kalt in Neuseeland, wir schreiben den 10. Juli 1985: Kurz vor Mitternacht explodieren zwei Sprengladungen im Hafen von Auckland. Wasser läuft in den Maschinenraum der „Rainbow Warrior“. Das Schiff der Umweltorganisation „Greenpeace“ neigt sich gen Steuerbord, dann sinkt es.
Nicolas mag Rugby. Damit ist er hier in Neuseeland genau richtig. Eigentlich dreht sich hier alles um Rugby. Na ja, ab und zu läuft auch Cricket im Fernsehen. Das meiste, was mir Nicolas an diesem Abend über Rugby erzählt, verstehe ich nicht. Aber eines ist mit schon klar: Die „All Blacks“ werden hier ebenso verehrt wie etwa die „Selecao“ in Brasilien.
Zaine drückt aufs Gas und rast hupend durch den Dschungel. Die schmalen Serpentinen führen runter zu den wilden Buchten des tasmanischen Meeres. Äste klatschen gegen die Frontscheibe des Busses. Zaine wird schon wissen, was er tut. Schließlich ist er Busfahrer und Reiseleiter in einem. Wieder hupt er und steuert übermutig in die nächste Kurve.
Im „Father Ted‘s“-Pub in Auckland habe ich schon einiges über Neuseeland gelernt. Diese Weisheit zum Beispiel: Neuseeländer fürchten sich vor zwei Dingen. Erstens fürchten sie sich davor, eines Tages von der Erdkugel zu rutschen. Und zweitens davor, dass es außerhalb Neuseelands niemand bemerkt.