EZB vor Zinswende
Seine erste Ratssitzung als neuer Präsident der Europäischen Zentralbank leitet Mario Draghi unter erschwerten Bedingungen: Die Rettung Griechenlands dominiert alles. Und Draghi steht unter besonderer Beobachtung.
Seine erste Ratssitzung als neuer Präsident der Europäischen Zentralbank leitet Mario Draghi unter erschwerten Bedingungen: Die Rettung Griechenlands dominiert alles. Und Draghi steht unter besonderer Beobachtung.
Der Dax startet mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 6.158 Punkte in den letzten Handelstag der Woche. Die Aktien der Commerzbank fallen allerdings nach schwachen Quartalszahlen um 3 Prozent.
Zweifel am Rettungspaket der EU und am Sparwillen Berlusconis schüren die Unsicherheit. Die Rendite italienischer Staatsanleihen liegt bei mehr als 6 Prozent.
Das Misstrauen der Märkte in die Nachhaltigkeit der italienischen Staatsfinanzen wächst. Die immer flacher werdende Renditekurve weckt böse Erinnerungen.
Dass das griechische Volk über das Rettungspaket abstimmen soll, hat die Anleger schockiert. Sie befürchten eine Eskalation der Krise.
Der Kurs des Euro rutschte am Dienstag drastisch ab. Die Ängste vor einem Auseinanderbrechen des Euro waren noch nie so groß. Die Konsequenzen wären für alle Beteiligten gravierend.
Nach dem Ende seiner Amtszeit verlässt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auch Frankfurt. Die Nachbarn schätzten ihn.
Von diesem Dienstag an führt Mario Draghi die EZB. Auch er wird es nur falsch machen können: Nie hat Europa seine Differenzen über Sinn, Zweck und Mittel der Notenbank beigelegt. In guten Zeiten fiel das nur weniger auf.
Der neue EZB-Präsident weiß, welche schmerzhaften Erfahrungen sein Land mit einer Zentralbank gemacht hat, die nicht unabhängig war.
Europas oberster Zentralbanker Jean-Claude Trichet hat Bergbau studiert. Nun scheidet der Franzose aus seinem Amt aus und will in der Öffentlichkeit erst einmal abtauchen.
Mehr Geld und niedrigere Zinsen: So hätten es die Euro-Staaten am liebsten. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.
Nach zähen Verhandlungen wurde in Brüssel ein Schuldenschnitt von 50 Prozent verkündet. Manches Detail ist aber noch offen. Und die Sorge bleibt, ob die Lösung hält.
An den Börsen haben Händler das Ergebnis des Euro-Krisengipfels mit Kurssprüngen begrüßt - trotz Schuldenschnitt stiegen die Kurse gerade von Banken. Sie haben aber noch einen schweren Weg vor sich.
Die Krise Portugals hat die Banken hart getroffen. Kredite an marode Staatsunternehmen sind ihre schwerste Bürde. Der Weg zur Gesundung des Landes und der Banken wird lang, ist aber nicht hoffnungslos.
Außenminister Franco Frattini über heilsamen Druck aus Brüssel, Sarkozys irritierende Körpersprache, Merkels mutige Führung, Camerons berechtigte Angst vor einer Spaltung Europas - und warum die Währungsunion kein Omnibus ist.
Der Rettungsfonds EFSF bekommt zwar keine Banklizenz, aber das Rettungsvolumen wird mittels Hebel stark ausgeweitet. Frankreichs Regierung ist zufrieden und sieht sich als Taktgeber in der EU.
Die Regierungen erwarten von der EZB noch mehr Krisenhilfe. Die Staatsnähe hat der scheidende Präsident Trichet zu verantworten. Sie ist für seinen Nachfolger Draghi eine schwere Hypothek.
Die Staats- und Regierungschefs haben eine höhere Eigenkapitalquote für Banken beschlossen. Bis Mitte nächsten Jahres sollen die Institute ihr Kernkapital auf neun Prozent aufstocken.
Die EZB will die Sondermaßnahmen für das Finanzsystem fortsetzen. Der künftige Präsident Draghi bezeichnete zudem die Lage in Italien als dramatisch. Vor allem sein Heimatland müsse in der Krise handeln.
Europa brauche eine starke fiskalische Institution hinter der EZB, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zieht er Parallelen zur Lage Amerikas vor 1787.
Wenige Stunden vor dem EU-Gipfel hat der Bundestag eine Hebelung des Euro-Rettungsfonds gebilligt. Die Bundeskanzlerin erreichte abermals die „Kanzlermehrheit“. Zuvor hatte sie in ihrer Regierungserklärung gesagt, Europa befinde sich in der schwersten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Griechenland-Krise brach 2010 aus. Die Politik wollte damals von einer Umschuldung nichts wissen, sondern hoffte, das Land werde auf den rechten Weg zurückfinden. Dieser Traum ist ausgeträumt.
Griechische Banken sind von der Krise schwer getroffen. Der Wertverlust in den letzten zwei Jahren ist enorm. Die Zahlungsfähigkeit ist nur durch großzügige EZB-Kredite gewährleistet.
Die Protestbewegung „Occupy Frankfurt“ plant für Samstag abermals eine Demonstration in der Innenstadt. 50 bis 100 Menschen gehören zum „harten Kern“ des Protestcamps vor der EZB.
Die Koalitionsparteien haben sich mit den Fraktionsführungen von SPD und Grünen auf einen gemeinsamen Entschließungsantrag zum Euro-Rettungsfonds EFSF geeinigt. Die Bundeskanzlerin sagte in der Sitzung der Unionsfraktion, es werde beim deutschen Garantie-Rahmen bleiben.
Der Euro-Krisenfonds EFSF bekommt zwar keine Banklizenz, dennoch hat sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy in einem wichtigen Punkt durchgesetzt: Im Entwurf für die Erklärung des Euro-Gipfels am Mittwoch heißt es, die Staats- und Regierungschefs unterstützten den Ankauf weiterer Staatsanleihen durch die EZB.
Nach dem Wunsch der Politiker soll die EZB weiter Anleihen angeschlagener Staaten auf dem Sekundärmarkt aufkaufen. Wie unabhängig ist die Zentralbank?
Drei Italiener sitzen im EZB-Rat. Ministerpräsident Berlusconi fordert Direktor Bini Smaghi auf französischen Druck hin zum Rücktritt auf - und scheint mit seinem Latein am Ende.
Die großen griechischen Finanzwerte verlieren mehr als 20 Prozent an Wert nach zunehmenden Hinweisen auf einen größeren Schuldenschnitt. An Athens Börse fallen die Kurse. Die übrigen Aktienmärkte reagieren gelassen auf den EU-Gipfel.
Ein Gipfel allein wird das Euro-Entscheidungsknäuel nicht entwirren. Doch eines sollten die Politiker bei allen Rettungsbemühungen im Hinterkopf behalten: Über die Zukunft der Währungsunion wird nicht in Athen entschieden, sondern in Rom. Ein Kommentar von Holger Steltzner
Nach den EU-Krisentreffen zeichnen sich Lösungen für eine Umschuldung Griechenlands, eine Rekapitalisierung angeschlagener Banken und den „effektiveren Einsatz“ des Euro-Krisenfonds EFSF ab.
Die Tragfähigkeitsanalyse der Troika prophezeit: Die Kreditgeber müssen in den kommenden Jahren mindestens weitere 252 Milliarden Euro bereitstellen.
Die „Occupy“-Proteste nach amerikanischem Vorbild gehen weiter: Rund 4000 Menschen ziehen zum Gebäude der Europäischen Zentralbank. Dabei sammeln Aktivisten auch Spenden.
Als Alternative zu den staatlichen Rettungsschirmen haben die Gastautoren kürzlich die Rekapitalisierung der Banken vorgeschlagen. Nun erläutern sie, warum eine privat finanzierte Stärkung der Banken einer staatlichen Hilfe vorzuziehen ist.
Eine Billion oder mehr - die Euro-Rettung wird immer teurer. Die Versuchung ist groß, die geldpolitische Panzerfaust abzufeuern und einfach frische Banknoten zu drucken.
Bundeskanzlerin Merkel bemüht sich, den Eindruck zu zerstreuen, es gebe ein Zerwürfnis zwischen Deutschland und Frankreich über den Euro-Rettungsfonds. Wirtschaftsminister Rösler sagt dagegen, Paris strebe eine Bankenlizenz für den EFSF an. Dies sei mit Berlin nicht zu machen.