Das Erbe des Neoliberalismus
Nicht alles an der Politik der neunziger Jahre war schlecht. Der „Washington Consensus“ war vielfach erfolgreich – trotz seines schlechten Rufs.
Drei Länderminister stellen am Mittwoch einen Plan vor, der Firmengründungen innerhalb von 24 Stunden möglich machen soll. Dafür liegt aber eine Menge Arbeit vor Politik und Verwaltung.
Die Weltbank wurde wie ihre Schwesterorganisation, dem Internationalen Währungsfond, 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods gegründet und sollte ursprünglich den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg voranbringen. Heute ist die Kernaufgabe der Weltbankgruppe, die Armut in der Welt zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern. Weltbank und IWF, beide verleihen Geld an finanzschwache Staaten und sollen sich dabei ergänzen. Die Weltbank verleiht Mittel für Infrastrukturprojekte vor allem an Schwellen- und Entwicklungsländer. 2016 verlieh die Weltbank 64,2 Milliarden Dollar für Straßenbau, Kraftwerke oder Staudämme. Teile dieser Kredite können auch zinslos oder sogar ganz erlassen werden, wenn ein Staat zu arm ist. Doch er musst umstrittenen Bedingungen zustimmen, wie zum Beispiel die Öffnung der Märkte oder den Verkauf von Staatsbetrieben.
Die fünf Organisationen der Weltbankgruppe
Die erste ist die 1994 gegründete International Bank for Reconstruction and Development (IBRD). Sie besteht aus 188 Mitgliedern und vergibt Kredite zu Markant-Konditionen an kreditwurdige Länder. Die zweite ist die 1956 gegründete International Finance Corporation (IFC). Sie besteht aus 183 Mitglieder und hat die Aufgabe, die Entwicklung des Privatsektors in Entwicklungs- und Schwellenländern zu fördern. Zu diesem Zweck offeriert sie Darlehen, Eigenkapitalbeteiligungen, Garantien und eine Reihe innovativer Finanzierungsprodukte zu kommerziellen Bedingungen. Die dritte ist die 1960 gegründete International Development Association (IDA). Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der weltweiten Armutsbekämpfung und ist in rechtlicher und finanzieller Hinsicht selbstständig. Die vierte ist das 1966 gegründete Internationales Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID). Das Schiedsgericht der Weltbank schlichtet Investitionsstreitigkeiten zwischen Regierungen und ausländischen Investoren und übernimmt Beratungsdienste, Forschungs- und Publikationsaufgaben. Die letzte jüngste Organisation der Weltbank ist die 1988 gegründete Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (MIGA). Die hinter der Schaffung der MIGA stehende Idee ist, dass ausländische Direktinvestitionen einen nachhaltigen Beitrag zur Lösung des internationalen Verschuldensproblems leisten können.
Die Macht an der Spitze der Weltbank
Seit dem 2. Juni 2023 ist Ökonom Ajay Banga Präsident der Weltbank. Banga hatte zuvor den Vorsitz der internationalen Handelskammer in Paris inne. Einen Großteil seiner Karriere bestritt er im privatwirtschaftlichen Sektor, was ihn von seinen Vorgängern an der Spitze der Weltbank unterscheidet, die zuvor alle primär im öffentlichen Sektor tätig waren.
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Mehr als zwei Milliarden Menschen lebten zu Beginn der Neunzigerjahre in bitterer Armut, heute sind es „nur“ noch 800 Millionen. Doch so wird es nicht weitergehen.
In seinem Thriller „Verschollen“ zeigt Daniel Harrich, wie aus einem vermeintlich segensreichen internationalen Umweltprojekt ein großes Verbrechen wird. Seine Recherche ist sehenswert.
Amerikanische Arbeitnehmer nutzen generative KI besonders intensiv und erzielen die höchsten Produktivitätsgewinne. Besserverdiener und Geringqualifizierte profitieren besonders stark.
Überall auf der Welt machen Regierungen den Ausstoß von Klimagasen teurer. Ausgerechnet in Europa bekommen nun Politiker, Industrie und Gewerkschaften Zweifel.
Eigentlich will Thailand in den nächsten zehn Jahren wohlhabend werden. Doch das jüngste Unglück ist ein Symbol für den Abschwung: Die Wirtschaft schwächelt – und in der Politik macht sich Chaos breit.
Weltbank-Direktor Axel van Trotsenburg geht in den Ruhestand. Ein Gespräch über die Macht seiner Institution, Veränderungen und Modewellen – und darüber, dass sich die unterstützten Länder am Ende selbst entwickeln müssen.
Über ihren Einsatz zum Schutz des Planeten redet die Weltbank nicht mehr laut. An ihrem Kurs hält sie aber fest – auch wenn Trump Investitionen in billige Energie fordert.
Ein fallender Dollarkurs und Inflation vereinen Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing am Gartentisch. In Rambouillet entsteht die Keimzelle der G-7.
Die Kammeroper Frankfurt bringt „Die Rückkehr aus Davos“ von Stanislav Rosenberg zur Uraufführung. Darin entwickelt eine Künstliche Intelligenz in Gestalt einer Sängerin unglaubliche Fähigkeiten.
Botswana und der Konzern De Beers ringen um ihre Rolle in der Edelsteinindustrie. Die Preise für Diamanten fallen wegen der Konkurrenz durch synthetische Steine aus dem Labor.
Über Sinn und Unsinn von Entwicklungszusammenarbeit muss Klarheit geschaffen werden. Es ist jetzt höchste Zeit dafür – auch angesichts der Haushaltsberatungen.
Während die Beitrittsgespräche mit der EU laufen, versucht Machthaber Aleksandar Vučić, Brüssel gegen Moskau, Peking und Washington auszuspielen. Doch nun werden ihm die hohen US-Zölle gefährlich – und die Proteste der eigenen Bevölkerung.
Die Geburtenrate fällt, die Bevölkerung schrumpft: Chinas Überalterung bremst das Wachstum. Verzweifelt stemmt sich Peking gegen den Trend.
US-Ökonomen fordern grundlegende Wirtschaftsreformen in der Ukraine. Kiew solle sich an der deutschen Wirtschaftsgeschichte orientieren – im Guten wie im Schlechten.
Mit viel Geld und Macht versuchen die Golfmonarchien, das zerrissene Syrien wiederaufbauen. Die arabischen Monarchen wollen so zeigen, dass sie besser für Wohlstand und Sicherheit sorgen können als Iran oder Israel.
Ein Donald Trump kennt als US-Präsident nur sich selbst und sein Land – multilaterale Absprachen und Organisationen interessieren ihn nicht. Die EU braucht Alternativen, meint ein früherer deutscher UN-Botschafter.
450 Milliarden soll der Wiederaufbau der Ukraine laut der Weltbank kosten – doch die EU-Kommission gibt sich als größter Geber zuversichtlich. In Rom wird über die nächsten Schritte dafür beraten.
Trotz immer knapperer Budgets versprechen die UN-Staaten, weiter Entwicklungshilfe zu leisten. In Sevilla diskutieren 15.000 Vertreter von Regierungen und Organisationen, wie dies gelingen kann, und hoffen auf Unterstützung der Privatwirtschaft.
Die BRICS-Staaten wollen den Dollar als Handelswährung ersetzen. Die Initiative zeigt das wachsende Selbstvertrauen des Schwellenländerblocks. Eins ihrer Schlüsselinstrumente ist die „Neue Entwicklungsbank“ als Alternative zu IWF und Weltbank.
Nach Angaben der Weltbank wird sich der Strombedarf in Entwicklungsländern binnen eines Jahrzehnts verdoppeln. Ein Teil davon soll künftig aus Atomenergie kommen.
Was sonst noch wichtig ist
Nach dem Marshallplan begann Deutschland, armen Ländern zu helfen. Die Geschichte der staatlichen Entwicklungshilfe spiegelt, wie sich der Blick auf die Welt verändert.
US-Präsident Trump legt die Axt an die Welthandelsorganisation WTO und verführt andere, es ihm gleichzutun. Eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte droht zu enden – doch es keimt eine Alternative auf.
Wie der Dollar zur Weltwährung wurde. Warum dies ein großer Vorteil für die USA ist. Und wieso Donald Trump den Erfolg gefährdet.
Präsident Trump dringt auf einen harten Kurswechsel der Weltbank. Was heißt das für die ärmsten Länder?
Donald Trump will die Globalisierung mit kruden ökonomischen Ideen zurückdrehen. Jörg Kukies erklärt, wieso das Unsinn ist – auch am Beispiel des Autos seiner Frau.
Zu viel Klimawandel, Geschlechtergleichstellung und soziale Fragen: Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent wirft dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank vor, ihre Kernaufgaben nicht zu erfüllen.
Giorgia Meloni besucht Donald Trump in Washington. Die USA und Teheran verhandeln weiter über Irans Atomprogramm. Und Millionen Christen weltweit feiern Ostern. Der F.A.Z.-Newsletter.
Argentinien erhält 32 Milliarden Dollar von IWF und Weltbank. Die Regierung plant, die Devisenkontrollen zu lockern.
Was passiert, wenn sich Amerika aus der globalen Zusammenarbeit zurückzieht? Die globalen Mittel könnten von 230 auf 73 Milliarden Dollar implodieren, warnt der ranghöchste Deutsche im Dienst der Vereinten Nationen im Interview.
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Bangladesch war das ärmste Land der Welt, dann eine Erfolgsgeschichte und schließlich das Reich des Bösen. Nach einer blutigen Revolution soll nun ein Staat nach dem Lehrbuch entstehen. Wäre da nur nicht der Wunsch nach Rache.