Im Geheimen
Die katholische Kirche wollte Missbrauch aufarbeiten – mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Das ist gescheitert. Kein Wunder. Denn es geht um mehr als persönliche Befindlichkeiten.
Die katholische Kirche wollte Missbrauch aufarbeiten – mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Das ist gescheitert. Kein Wunder. Denn es geht um mehr als persönliche Befindlichkeiten.
Die Deutsche Bischofskonferenz geht mit einer Unterlassungserklärung gegen den Kirminologen Pfeiffer vor. Es gebe keine Hinweise auf Aktenvernichtung und Zensur, rechtfertigte ein Sprecher.
Die Bischöfe hätten wissen können, was auf sie zukommt, als sie den Kriminologen Christian Pfeiffer und sein Institut baten, den Missbrauch an Kindern in der katholischen Kirche zu untersuchen. Äußere und innere Unabhängigkeit ist ihm ein Glaubenssatz.
Die verhinderte Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche ist ein Rückschlag für alle, die rückhaltlose Aufklärung fordern. Päpstliche Aufrufe zu einer neuen Spiritualität können wieder als Flucht vor einer Welt gedeutet werden, in der die Kirche mit sich selbst nicht fertig wird.
Der Missbrauch von Geistlichen an Kindern hat die Kirche in eine massive Vertrauenskrise gestürzt. Eine unabhängige Untersuchung sollte „ehrliche Aufklärung“ bringen. Die derzeitigen Vorgänge wecken Zweifel an der nötigen Offenheit im Sinne der Opfer.
Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Studie zum Missbrauch in der Katholischen Kirche gestoppt. Der Vertrag mit dem Institut des Kriminologen Pfeiffer wurde gekündigt. Pfeiffer nennt „Zensur- und Kontrollwünsche der Kirche“ als Gründe für das Scheitern.
In den Niederlanden sind in Einrichtungen der katholischen Kirche nach Angaben einer unabhängigen Kommission zwischen 1945 und 2010 „mehrere zehntausend Minderjährige“ sexuell missbraucht worden.
Papst Benedikt XVI. hat sich in Erfurt mit einer Gruppe von Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester getroffen. Der Papst habe „bewegt und erschüttert“ sein tiefes Mitgefühl und Bedauern bekundet. Heute reist er nach Freiburg.
Bei seinem Deutschlandbesuch in dieser Woche will der Papst auch Missbrauchsopfer treffen. Was sie erleiden mussten, untergräbt die moralische Autorität der katholischen Kirche. Doch im Vatikan gibt es Mächte, gegen die selbst der Papst machtlos ist.
Im Beitrag "Rekordverlust im Gotteshaus" (F.A.Z. vom 1. August) kommentiert Daniel Deckers die Tatsache des Mitgliederverlustes der deutschen Katholischen Kirche, fragt nach den Gründen dafür und kritisiert, dass es zum Thema Missbrauchsfälle keine "wissenschaftliche Untersuchung" gibt.
Missbrauchsvorwürfe gegen kirchliche Einrichtungen sind weder besonders neu noch besonders ungewöhnlich - und trotzdem gibt es Fälle, die kaum Beachtung finden, und andere, die eine Religion in existenzielle Probleme bringen können. Und auch, wenn die katholische Kirche seit nunmehr 1800 Jahren Gegenstand solcher Beschuldigungen ist - diesmal scheint es ernst zu werden, denn diesmal trifft es das Westviertel. Und das verzeiht nicht so leicht.