Arbeitslose Alle Nachrichten und Informationen der F.A.Z. zum Thema

Blogs | Stützen der Gesellschaft

Anstand, Respekt und ihre Abschaffung in besseren Kreisen

Der Stolz des Eigentums, die richtige Moral, die einzig wahre Kultur - auf diesen Säulen ruht das Bewusstsein der besseren Kreise, auf der richtigen, einzig richtigen Seite zu sein. Daran, so der Glaube, rüttelten die anderen, die Unten befindlichen, die nicht ganz so guten Kreise, die deshalb auch unten bleiben, während oben alles fest gefügt bleibt, in alle Ewigkeit. Oder doch nicht ganz so lange - je nachdem, wieviel Anstand und Respekt man oben selbst verspielen möchte.

Don Alphonso
23.02.2010 22:57 Uhr
Blogs | Sanchos Esel

Ein einziger zahlender Gast in Pastrana

Das Convento del Carmen, wo ich gerade wieder fünf Tage war, liegt auf einer Anhöhe und kehrt dem einen Kilometer entfernten Dorf Pastrana seine weniger pittoreske Seite zu. Der schöne Blick „nach vorne", wie ich es nennen würde, geht auf ein langes Tal hinaus, das wie geschaffen wäre für einen Fluss. Ortskundige bezweifeln allerdings, dass es hier jemals so etwas gab, denn nicht weit entfernt fließt der breite Tajo, und Hügelfalten wie jene, die man vom Fenster aus sieht, gibt es in diesem Teil der Provinz Guadalajara viele.

Paul Ingendaay
13.12.2009 22:45 Uhr
Blogs | Stützen der Gesellschaft

Glück fern von Dubai und London

Natürlich ist die Krise nicht vorbei. Wenn man etwa in London oder in Dubai wohnt, oder in Amerika arbeitslos ist, oder die Immobilie im Schuldenstrudel versinkt. Davon hört man in süddeutschen Regionen und wundert sich, und wendet sich dann wieder den wirklich relevanten Problemen zu: Wie gross etwa muss ein Trüffel bei vier Personen sein, und verträgt die Figur einen Butterchriststollen. Denn fern ist hier die Krise; sie ist nie angekommen und soll auch schön weiter vor der Tür bleiben. Denn schliesslich muss es, wenn es schon so viele Verlierer gibt, auch ein paar Gewinner geben.

Don Alphonso
26.11.2009 20:34 Uhr
Blogs | Stützen der Gesellschaft

Mein feines Leben ohne Putzfrau

An den Putzfrauen scheiden sich die Geister, und nachdem ich durch mein Doppelwesen als Hausverwalter und Bewohner leicht schizophren bin, kenne ich die Argunmente beider Seiten. Privat jedenfalls meine ich: Im 21. Jahrhundert sollte man entweder seine Behausung selbst erledigen können, oder man macht etwas falsch. Nichts gegen Putzfrauen -.das Problem steckt in jenen, die ohne sie nicht auszukommen glauben.

Don Alphonso
24.11.2009 12:45 Uhr
Blog | Per Anhalter durch die Arbeitswelt

Danke Daimler: Bluttest für Personalvorstände

Manchmal hält die Arbeitswelt selbst für hartgesottene Berichterstatter Einiges an Überraschungen bereit: Da kämpft der einstige deutsche Nobelkonzern Daimler nicht nur mit der Gefahr roter Zahlen. Nein, er mutiert auch zum Dracula und will Blut von Bewerbern - natürlich nicht zum Trinken, sondern um es zu analysieren. Doch der Reiseführer „Per Anhalter durch die Arbeitswelt" denkt natürlich noch einen Schritt weiter und zeigt in bemerkenswerter Schärfe alles das auf, was hinter der Ecke noch auf uns wartet.

Christian Scholz
06.11.2009 09:54 Uhr
Blogs | Das letzte Wort

Dauerbaustelle Hartz IV

Das Bundesverfassungsgericht hat schon so manches Mal mit seinen Grundsatzentscheidungen die Bundesregierung das Fürchten gelehrt. Und auch in Sachen "Hartz IV" scheinen die Karlsruher Richter an einem großen Wurf zu arbeiten. Am Dienstag verhandelten sie zum ersten Mal über die umstrittene Arbeitsmarktreform, die vor inzwischen fast fünf Jahren eingeführt wurde - und äußerten ernsthafte Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Regeln.

Corinna Budras
20.10.2009 14:47 Uhr
Blogs | Stützen der Gesellschaft

Die Manieren meiner Bohnenfrau und des Thilos Unterschichten

Kurt Tucholsky empfahl einmal, mit der Wahrheit - im höchsten Masse feuergefäherlich - wegzubrennen, was da morsch ist - "und wenn's dein eigner Bruder Schorsch ist". Was er nicht empfohlen hat: Sich selbst mit seinen Ressentiments zu übergiessen und dann anzuzünden. Aus gutem Grunde, möchte ich sagen. So vor aller Augen verkohlt kommt man bei uns nicht zum Tee, weshalb ich ja auch meiner Bohnenfrau vom Wochenmarkt den Vorzug vor Thilo Sarrazin geben möchte.

Don Alphonso
03.10.2009 07:08 Uhr
Blogs | Stützen der Gesellschaft

Briefe aus Stresa II: Bericht an die Stadtschloss-Societät zu Berlin

Von Stresa am Lago Maggiore lernen heisst siegen lernen: Während in Deutschland Kleingeister und Bedenkenträger ein paar lumpige Problemchen bei der Auferstehung des Berliner Stadtschlosses aus Ruinen zum Anlass nehmen, ungefragt zum Thema Demokratie und Repräsentation radikale Thesen zu äussern, ist in Oberitalien die Welt noch in Ordung. Hier werden zukünfige Generationen die Antwort finden, wie man moderne Herausforderungen des Volksgeschmacks mit alten Mitteln zur allgemeinen Zufriedenheit löst. Die Stützen der gesellschaft erlauben es sich deshalb, der Zukunft zu deren Beschleunigung ein wenig vorzugreifen.

Don Alphonso
15.09.2009 13:51 Uhr
Blogs | Stützen der Gesellschaft

Geld verdirbt die Charakterlosigkeit

Hartknäckig hält sich das Gerücht, Besitz sei nicht alles und Geld verderbe den Charakter. Erstaunlicherweise waren gestern die alkoholisiert pöbelnden Proleten am See mit Tüten eines bekannten Billiggeschäfts unterwegs, und ich finde vor meinem Haus nie leere Flaschen französischen Champagners, sondern die Scherben billigen Fusels. Auch steckt man mir keine leeren Kaviardosen in die Weinstöcke, sondern Reste von Schnellabspeisen. Treffe ich dann Menschen mit etwas Besitz, sind sie die Höflichkeit selbst, und sie treten auch keine Autospiegel ab. So gesehen bin ich eigentlich sehr froh um die Existenz der bedrohten Art des Besitzbürgertums.

Don Alphonso
17.08.2009 11:51 Uhr
Blogs | Chaos as usual

4 Millionen neue Arbeitsplätze? - Mit links!

Frank Walter Steinmeier wird für seinen Plan, bis 2020 zusätzliche 4 Millionen Jobs zu schaffen, völlig zu Unrecht gescholten: Jeder, der an einer Belebung der deutschen Binnenkonjunktur interessiert ist, wird in Wahrheit gar nicht um derartige Vorhaben herumkommen - unabhängig davon, in welchem ideologischen Lager er sein Zelt aufgeschlagen hat. Ökonomisch wie gesellschaftspolitisch wäre das Ziel deshalb auch durchaus sinnvoll, auch wenn mal wieder der Staat selbst ran müsste. Allerdings hat der Plan auch eine ganz entscheidende Schwachstelle; und die heißt: Frank Walter Steinmeier.

Thomas Strobl
04.08.2009 11:33 Uhr
Blogs | Chaos as usual

Keynes hatte recht (und Minsky auch)

Im Verlauf eines längeren Briefwechsels mit George Bernard Shaw über Sinn und Unsinn des Marxismus schrieb John Maynard Keynes am 1. Januar 1935 dem englischen Dramatiker folgende, berühmte Zeilen: „Um meine Haltung zu verstehen, solltest Du allerdings wissen, dass ich glaube, selbst an einem Buch über Wirtschaftstheorie zu schreiben, das die Art und Weise, wie wir über ökonomische Probleme denken, revolutionieren wird; nicht gleich, so würde ich vermuten, aber im Laufe der nächsten zehn Jahre." Hatte er damit recht? Insbesondere wenn man Keynes gemeinsam mit dem US Ökonomen Hyman Minsky liest, kommt man zu dem eindeutigen Schluss: ja, hatte er. Zudem gibt das gemeinsame Werk der beiden Ökonomen auch Aufschluss darüber, wie es in den nächsten Jahren wohl ökonomisch weitergehen wird.

Thomas Strobl
27.07.2009 10:52 Uhr
Blogs | Stützen der Gesellschaft

Ich starre gern auf 1930

Schliesslich bin ich Kulturhistoriker. Und obendrein lasse ich mir ungern sagen, wohin ich in krisenhaften Zeiten zu starren habe. Das muss man sich ja heute sagen lassen. Aber: Wer einem die Blickrichtung vorgibt, hat vielleicht auf der anderen Seite was zu verbergen. Und nachdem trotz übelster Krise gerade fast jeder Journalist damit beschäftigt ist, im Schlechten das Gute und im Falschen das Richtige zu entdecken, sehe ich 1930 noch mehr Ähnlichkeiten zur Gegenwart.

Don Alphonso
06.07.2009 18:50 Uhr

Verwandte Themen

Blogs | Sanchos Esel

Der Gastgeber des Moncloa-Palasts oder Kann man lächelnd die Wahrheit sagen?

Heute morgen - Samstag - habe ich sehr lange El País gelesen. Abonnenten bekommen schon am Vortag das Sonntagsmagazin El País Semanal beigelegt, so dass wir gleich mit einem Wissensvorsprung ins Wochenende starten. Wir Abonnenten von El País. Wir Leser und Leserinnen der größten Tageszeitung Spaniens. Wir Anhänger der demokratischen Kultur. Und bevor Sie beim sonntäglichen Frühstück sitzen und El País Semanal durchblättern (sollte das zu Ihren Gewohnheiten gehören), sagt Ihnen Sanchos Esel, was Sie darin erwartet.

Paul Ingendaay
28.06.2009 01:50 Uhr
Blogs | Chaos as usual

Mögen Sie ABBA?

In Zeiten einstürzender Paradigmen und allgemeiner Ratlosigkeit, gepaart mit zunehmenden Zweifeln hinsichtlich traditioneller Erklärungen dessen, was die Welt im Innersten zusammenhält, greift man zur intellektuellen Selbstaufrichtung immer wieder gerne auf Denker früherer Epochen zurück; mit Vorliebe solche, die nicht den hohen Türmen des Mainstreams entstammen, sondern dezidierte Außenseiterpositionen vertreten; weil den Mainstream kennt man ja zumeist eh schon von A bis Z, und schließlich waren es ja nicht zuletzt dessen Exegeten, wegen denen wir jetzt pudelnass im strömenden Regen stehen. Soweit es die Ökonomie und insbesondere die Wirtschaftspolitik betrifft, war der ursprünglich aus Rumänien stammende US Ökonom Abba P. Lerner zweifellos ein derartiger Außenseiter. Der von ihm entwickelte Ansatz der „Functional Finance" unterscheidet sich radikal von allem, was wir heute gemeinhin unter „solider" Wirtschaftspolitik verstehen. Er ist aber gerade heute umso interessanter, als er sowohl das Problem immenser staatlicher Verschuldung als auch die Notwendigkeit zu verstärktem staatlichen Engagement adressiert. Wie sieht er aus?

Thomas Strobl
03.06.2009 13:09 Uhr
Blogs | Chaos as usual

Ende des neokonservativen Zeitalters?

Der Kapitalismus fällt ins Koma und Barack Obama wird Präsident der USA: Ist es Zufall, dass beide Ereignisse zeitgleich auftreten oder verbirgt sich mehr dahinter, womöglich eine echte Zeitenwende? - Ja, meint der österreichische Autor Robert Misik in seinem neuesten Buch „Politik der Paranoia", dahinter stecke tatsächlich viel, viel mehr, nämlich das herannahende Ende des neokonservativen Zeitalters. Noch könne man sich dessen zwar nicht ganz sicher sein, weiterhin bestünde Gefahr, dass die Gesellschaft auch diesmal nur in einer kurzlebigen Ahnung von Wechsel stecken bleibt, statt den vollständigen Durchbruch in eine neue, bessere Epoche zu schaffen. Aber immerhin: So gut wie jetzt hätten die Chancen schon lange nicht mehr gestanden, schreibt Misik, und mit seinem Buch wolle er seinen Beitrag leisten, für einen echten Wechsel zu einer nachhaltigeren und gerechteren Politik; daher beschränke er sich darin auch nicht auf die bloße Kritik an neokonservativem Gedankengut, sondern stelle diesem die eigenen „progressiven" Konzepte als die überzeugenderen politischen Lösungen gegenüber.

Thomas Strobl
09.04.2009 03:22 Uhr
Blogs | Chaos as usual

Ist Horst Köhler "on to something" ?

Es ist 2 oder 3 Jahre her, da saß ich in den USA in einer Veranstaltung und lauschte dem Herausgeber eines bekannten US Nachrichtenmagazins, gleichzeitig bekennender Republikaner, bei seinem Vortrag; es ging um die Politik von Präsident George W. Bush, das Auditorium bestand zu 80% aus amerikanischen Managern, insofern war die zur Schau getragene Kritik am damaligen Kurs des US Präsidenten entsprechend verhalten, zumindest nach europäischen Maßstäben. In seiner Rede machte der Vortragende aber an einer Stelle eine Bemerkung, die bei mir offenbar hängen geblieben ist und gestern spontan in mein aktives Bewusstsein schoss: Er wüsste auch nicht genau einzuordnen, was Bush und die Neocons da eigentlich im Irak und in Afghanistan genau bezweckten, er glaube jedoch - ja, er hätte da so ein diffuses Gefühl -, da sei vielleicht mehr, als mit bloßem Auge sichtbar wäre: „I believe the President is on to something". Nun ist Horst Köhler nicht George W. Bush, und die Soziale Marktwirtschaft ist nicht Afghanistan, und wenn ich nicht gestern die Gedanken eines wiederum ganz anderen Mannes auf mich wirken lassen hätte, dann wäre ich im Leben nicht auf die Idee gekommen, derartig schräge Assoziationen zwischen Köhlers Berliner Rede und diesem USA-Erlebnis überhaupt zum Besten zu geben. Aber sei's drum: Ich habe gestern Oswald von Nell-Bräunigs „Worauf es mir ankommt" gelesen, einen unscheinbaren, nicht mal 100 Seiten starken Vortragsband, in welchem die Meilenstein-Reden des legendären katholischen Sozialethikers abgedruckt sind. Und darin findet sich folgende Passage, im Anschluss an seine zutreffende Feststellung, dass in Zeiten schneller Produktivitätszuwächse Arbeitsplatzabbau stattfindet, der nicht ohne weiteres kompensiert werden kann:

Thomas Strobl
03.04.2009 12:58 Uhr
Blogs | Stützen der Gesellschaft

Die Renaissance der Apanage. Ein Krisenidyll.

Was tut man, wenn das Kind arbeitslos wird? Früher hätte man gesagt: Such Dir eine neue Stelle. Im Moment ist das aber nicht so einfach, die Arbeitsagenturen sind auch nicht gerade der Ort, an denen man die Tochter sehen möchte, und nur so ist es zu erklären, warum bessere Eltern heute wieselflink alte Traditionen und Einstellungen ändern, und eigentlich ganz reizend sind. Sehr zum Ärger der Sozialneider.

Don Alphonso
14.03.2009 13:37 Uhr
Blogs | Stützen der Gesellschaft

Die Renaissance der Apanage. Ein Krisenidyll.

Was tut man, wenn das Kind arbeitslos wird? Früher hätte man gesagt: Such Dir eine neue Stelle. Im Moment ist das aber nicht so einfach, die Arbeitsagenturen sind auch nicht gerade der Ort, an denen man die Tochter sehen möchte, und nur so ist es zu erklären, warum bessere Eltern heute wieselflink alte Traditionen und Einstellungen ändern, und eigentlich ganz reizend sind. Sehr zum Ärger der Sozialneider.

Don Alphonso
14.03.2009 13:37 Uhr

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