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Türen

Damals, das erste Türchen im Adventskalender war schon die erste Enttäuschung. Wen oder was hatten wir erwartet? Klinken, Riegel, Schlüssellöcher, Spione. Hinter der Tapetentür statt einer heimlichen Liebschaft nur dieser leere Koffer. Kein Geld im aufgeschweißten Tresor. Verkohlte Leichen im Bunker. Zwischen Tür und Angel knarrt es. Alles verrammelt, zugemauert, vergittert. Hinter der toten Klingel lauern die Geister. Aber bei uns zu Hause tritt niemand von vorne ein, über die Freitreppe mit dem polierten Klopfer. Leichtfüßig kommen die Gäste von hinten, durch die offene Küchentür. Winzige dunkle Stuben gibt es hier, mit ihren Flügeln und Griffen. Dort harrt der Honig, der Senf auch, die Beißzange und der Besen. Und dann ist da noch die Tür in der Tür, Privateigentum der Angorakatze. Hart fallen nur die hohen Türen. Wer vor dem Palast steht, muß erst den Durchschlupf finden. Zentnerschwer ist das bronzene Tor. Selbst der König sieht, wenn er nach Hause will, wie ein Zwerg aus. (Hans Magnus Enzensberger)

31.10.2012 12:48 Uhr

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