Nix für ein U
Mit 45 hat man die Talsohle erreicht, danach geht es wieder aufwärts. Sagen zumindest Wissenschaftler. Die Frage bleibt, wie man mit dem ab 46 anstehenden Wiederaufstieg eigentlich anfangen soll.
Mit 45 hat man die Talsohle erreicht, danach geht es wieder aufwärts. Sagen zumindest Wissenschaftler. Die Frage bleibt, wie man mit dem ab 46 anstehenden Wiederaufstieg eigentlich anfangen soll.
"Mag der Herr Graf ein Tänzchen wohl wagen" singt Figaro kurz vor seiner Hochzeit, und droht, ihm dann aufzuspielen - ein deutliches Zeichen dafür, dass ihm das Hüpfdohlentum des Grafen gegen den Strich geht. Ähnlich genervt kann man von jenen Kulturbeflissenen sein, die dreist Verehrung für Kultursparten einfordern, die aus eigenem Verschulden zugrunde gehen. Da sollte man vielleicht ein wenig aufräumen in den Rumpelkammern des Kanons, und warum nicht mit einem Tänzchen beginnen?
Schleichend ändert sich der Mensch, wenn er älter wird. Doch wahrhaben will er es nicht und hängt an seinem alten Ich wie ein Kind an der Nuckelflasche. Doch ein "ich muss mich akzeptieren, wie ich bin" ist nicht genug. Zeit für einen Schnitt.
Während im Westen die Modernisierungsschübe das Werk des letzten Krieges oft vollendete, stehen in den ehemalig deutschen Gebieten des Ostens die Dörfer oft noch: In viel Pracht und etwas Zerfall. Da könnte man natürlich auf Gedanken der Rückkehr kommen, wenn man von hier abstammt. Oder sich überlegen, was das für das eigene Zuhause bedeutet.
Schon vor Jahren wollte ich etwas über einen Maler sagen, dessen Kunst man auf den ersten Blick nicht ansieht, aus welcher Zeit sie stammt. Aber wie schon Borges wusste, kommt es nicht nur auf das an, was wir dort sehen (oder lesen), sondern auch, mit welchem Bewusstsein es geschaffen wurde, was notwendigerweise unsere Betrachtungsweise dieser Kunst lenkt und verändert.
Natürlich wird es nicht goutiert, wenn man Frauen in aller Öffentlichkeit entkleidet - es sei denn, man nimmt ihnen, wie es der Anstand verlangt, den Mantel ab. Zumindest war es früher so, und bei dieser kleinen, unbedeutenden Geste konnte sich schon das grösse, bedeutende Ereignis der Nacht andeuten. Heute gerät dieses kontrollierte Spiel der Leidenschaft leider in Vergessenheit, und zurück bleibt eine gewisse Verunsicherung, über die der Fortschritt, den Blick auf den Computer gerichtet, achtlos weiterzieht.
Natur- und andere Katastrophen werden statistisch immer häufiger. Noch ist das Problem nicht akut, aber mittelfristig muß man fragen: wer soll das bezahlen? Genauer: versichern?
Für eine Website müssen Sie keinen Erben einsetzen. Die netzpolitische Vision der deutschen Politik ist der digitale Radiergummi: ein Verfallsdatum als Antwort auf das ruhmlose Leben im Netz. Was mag das für ein Morgen sein, für das Sie ihre Spuren vorsorglich verwischen?
Frauen sind auf Internet-Konferenzen so selten wie der sibirische Tiger, denn ihr Fell scheint interessanter als ihr Knurren. Für eine gemeinsame Sprache braucht es jedoch nicht mehr Wissen über Technik, sondern einen Crash-Kurs in modernem Leben.
Mit "Lasko" sorgt RTL weiter dafür, dass die Stuntmen-Ausbildungsfirmen keine Kurzarbeit anmelden müssen; Elton flieht bei "1, 2 oder 3" auf die Straße; in seiner ersten eigenen Sketchcomedy parodiert der MDR – Derrick; und Kabel 1 sucht mit Hilfe von "Galileo"-Tester Jumbo Schreiner ein paar arme Würstchen. Was diese Woche im Fernsehen los war.
Thema diesmal: Das Wortradio musiziert. Außerdem: Musik auf dem Rücken argloser Integrationsdebatten und alles über Julia Roberts und Neil Young.
Direkt nach Modeln ist der begehrteste Beruf aller Deutschen zwischen zehn und vierzig: Kabelschleppen beim WDR. Denn wenn man erst einmal ein Bein drin hat, dann ist man ganz nah am Nirwana der deutschen Geisteselite, dem Job, aus dem die Träume sind: Was mit Medien.
Wo immer Stephanie zu Guttenberg zum Thema spricht, betont sie, dass Kindesmissbrauch ein Tabu sei. Die Behauptung, etwas sei ein Tabu, ist heute die Voraussetzung für eine Talkshowteilnahme. Sie ist die medienfreundliche Variante der Populistenfloskel „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“.
Haben Sie sich nie gewundert, warum neben besseren Vierteln niemals Militärflughäfen, Giftmülldeponien, Autobahnen, petrochemische Werke und besonders keine Kernkraftwerke stehen? Ich muss zugeben, dass ich mir darüber auch noch nie Gedanken gemacht habe. Aber aufgrund eines Missgeschicks bem Radeln über idyllische Almwiesen geht mein Hirn gerade so schnell wie das Entziffern englischsprachiger Promiberichte bei manchen Mitarbeitern von Spiegel Online, und in diesem traurigen Zusatnd fallen mir sehr komische Fragen ein.
Die Max-und-Moritz-Preise, der Höhepunkt des Comicsalons, sind verliehen worden: Ralf König gewinnt für seine F.A.Z.-Strips, Nicolas Mahler wird als bester deutschsprachiger Zeichner geehrt, Jens Harder, Ulli Lust und Nadia Budde gewinnen Preise - was will man mehr?
Thema diesmal: Turner Cody, Wolfgang Welt, Phillip Goodhand-Tait und die Abgründe des Achtzigerjahre-Nachwuchs-Journalismus
Kaum etwas konnte früher einen derart brutalen gesellschaftlichen Tod nach sich ziehen, wie der Ehebruch. Ehebruch war das abscheulichste aller bürgerlichen Verbrechen, üblich zwar auch in den besten Kreisen, aber dennoch verdammenswert. Inzwischen aber hat die bessere Gesellschaft durchaus Mittel und Wege gefunden, dieses moralische Elend komplett abzuschaffen und dabei die ihr innewohnende Haltung zu zeigen.
Grandiose Rückkehr des Zeitungscomics: In San Francisco hat der Schriftsteller Dave Eggers eine eigene Zeitung herausgebracht, die leider ein Einzelfall bleiben soll: „San Francisco Panorama". Schon den Zeitungskopf hat ein berühmter Comiczeichner gestaltet: Daniel Clowes. Und innen drin gibt sich die amerikanische Comicelite ein Stelldichein, um einmal so publizieren zu können, wie es ihre Urgroßväter taten.
Ein Bilderbuch für die Großeltern? Das klingt seltsam. Doch Beate Wolf und Thomas Haubold wollen mit „Daran erinnere ich mich gern!" ein Therapiewerkezug an die hand geben. Demenzkranken soll durch die Heraufbeschwörung von Erlebnissen aus ihren jungen Jahren geholfen werden. Und die Bilder dienen dabei als höchst subtil eingesetzte Erinnerungsstützen.
Obwohl die Moderne durchaus in der Lage ist, den Menschen zu jeder Zeit mit allen Dingen zu versorgen, neigt man doch dazu, sich im Herbst einen Vorrat anzulegen. Der Mensch kann nicht aus seiner Haut, er tut das, was Generationen vor ihm auch schon getan haben. Vermutlich steckt das in den Genen und den Instinkten, die natürlich nicht modern sind - und so bleibt auf urtümlichen Hamsterreisen auch noch genug Zeit, um anhand der Moderne zu erklären, woher die antimoderne Einstellung der alten Tanten und jungen Neffen kommt.
In Frankreich ist gerade ein Comic erschienen, der vierzig Jahren darauf warten musste: „Sandokan", gezeichnet von Hugo Pratt. Die lange Frist hat sich gelohnt: An dem Torso dieses Werks kann man die Entwicklung eines Großmeisters ablesen.
In den letzten Jahren habe ich viele Hotels erlebt, und zu den meisten habe ich geschwiegen: Mieträume auf Zeit, Zimmer für Tage, man zahlt und bekommt eine Dienstleistung, vom komplett heizungsfrei erhaltenen Gasthof im novemberlichen Wienerwald bis zum komplett charakterlosen Fünfstern-Hotel in einem lausigen Kaff namens Köln a. Rhein. In Stresa am Lago Maggiore jedoch gibt es ein Hotel, da bucht man ein Zimmer und bekommt einen mondänen Salon der Zeit um 1900, in dem man auch schlimmste Regentage gern verweilt und mit der Chefin des Hauses über die grosse Vergangenheit plaudert
Kürzlich wurde in einem Kommentar die Frage gestellt, ob und wie das Blogschreiben den Blogger verändert. Dieselbe Frage ließe sich den Kommentator(inn)en stellen, denn auch sie begeben sich im Fall von Sanchos Esel in einen Raum des Austauschs über spanisch-deutsche Themen, bei dem die Definition dessen, was da überhaupt ausgetauscht wird, das Unwichtigste ist. (Es kann auch von China oder dem Alpenvorland gesprochen werden.)
Oft sind es ja die kleinen Dinge, die unscheinbaren Verbindungen, an denen sich die Risse in der Gesellschaft am deutlichsten zeigen, wenn man nur genauer hinschaut. Zwetschgendatschi war immer eine einigende Erfahrung aller Kinder; zumindest in meiner Jugend, als es in dieser Jahreszeit keine bessere Möglichkeit gab, die Last der übervollen Bäume zur Last der übervollen Mägen zu machen. Für mich hat sich das nicnt geändert, aber andere müssen zahlen - wenn sie überhaupt noch in den Genuss kommen.
Die Arbeitskleidung aller deutschen Großmütter der Nachkriegszeit ist die Kittelschürze. Heute ist sie vom Aussterben bedroht – Anlaß genug, ihrer wild gemusterten Pracht zu gedenken, solange man sie noch auf Ramschmärkten kaufen kann.
Ich gehöre noch zu der Generation, die vor dem Modernisierungswahn der Alpen einen letzten Rest dessen erhaschen konnte, was man früher nicht proletarisch "Urlaub" nannte, sondern gehoben "Sommerfrische". In den 70er Jahren konnte man mit etwas Glück noch so reisen und und so artig leben, wie man es vor hundert Jahren tat, die Hühner terrorisieren und beim Kartenspiel betrügen, bergwandern und Pfifferlinge sammeln. Mein wirklich sehr vorteilhaftes Bild von Südtirol und Meran stammt aus jener Zeit, und im Gegensatz zu meiner Reisebegleiterin ist es auch heute noch ein Traum ohne Trauma.
Uri Geller in den "Tagesthemen"? Thomas Gottschalk als "heute journal"-Korrespondent? Und "DSDS"-Kandidat Menderes Bagci als "Explosiv"-Experte am Telefon? Es ist erstaunlich, in welchem Ausmaß der Tod Michael Jacksons seit der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Medien durcheinander wirbelt. Eine Beispielsammlung.
Was soll den das sein? Ein Comicverlag namens "Mami"? Müssen wir brave Geschichten warten, die jedes Wagnis der Harmonie halber scheuen? Ganz im Gegenteil. Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci wollen mit ihrer Neugründung ein Forum für freie Experimente und wildes Denken schaffen. Mit Birgit Weyhe haben sie schon die erste Entedeckung gemacht.