Wo bleibt die Freiheit der anderen?
Es ist jedem freigestellt, wie er Homosexualität bewertet / Ein Plädoyer für den Schutz einer neuen Minderheit
Es ist jedem freigestellt, wie er Homosexualität bewertet / Ein Plädoyer für den Schutz einer neuen Minderheit
Mitte der siebziger Jahre in einer ostdeutschen Industriestadt. In den Nischen war Platz für Ungewohntes, das uns von den Lehrern als Selbstverständlichkeit beigebracht wurde. Mädchenfußball und sexuelle Vielfalt zum Beispiel.
Ist das wirklich das Jahr 2014? Ist es wirklich wahr, dass Homosexualität zwar geduldet wird – aber nur dann, wenn Lesben und Schwule möglichst unsichtbar bleiben? Ein paar notwendige Worte zu einem Kulturkampf.
Wer etwas für die Rechte von Homosexuellen tun will, sollte in Russland klein anfangen. Westliche Schrillheit hilft hier nicht weiter. Ein Plädoyer für Wandel durch Annäherung.
Das Ergebnis der vom Vatikan angeordneten Mitgliederbefragung aus den deutschsprachigen Ländern zeigt: Die „Verbotsmoral“ hat ausgedient. Doch was danach kommt, ist noch nicht abzusehen.
In der katholischen Kirche in Deutschland macht sich ein Gefühl der Befreiung breit. Bischöfe wie der Trierer Ackermann oder der Essener Overbeck äußern sich mittlerweile unerschrocken über Sexualmoral oder Zölibat. Dennoch gelten sie auch im Vatikan als Kandidaten für die Meisner-Nachfolge.
Der frühere CSU-Abgeordnete Norbert Geis hat die Kritik der Vereinten Nationen an der katholischen Kirche empört abgewiesen. Die Kirche sei „von den Kommunisten nie so angegriffen“ worden wie jetzt von den UN. Er sprach von einer Arroganz „bis in die Haarspitzen“.
„Eine gesunde Demokratie muss die unabhängigen Stimmen aller ihrer Bürger hören“: Über zweihundert Schriftsteller, unter ihnen Elfriede Jelinek, Orhan Pamuk und Salman Rushdie, beklagen die repressiven Gesetze Russlands.
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) warnt davor, die Fehler bei der Einwanderungspolitik der 60er Jahre zu wiederholen. Den CSU-Slogan „Wer betrügt, der fliegt“ findet er „ziemlich platt“ - und die Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts „generell richtig“.
Unsere Kolumnistin hat mit Bürgerrechtsgruppen am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen den Datenskandal der Geheimdienste eingelegt. Heute wird bekannt: Das Gericht gibt der Klage oberste Priorität und fordert die britische Regierung auf, sich zu erklären.
Wladimir Putin weist die Kritik am Anti-Homo-Gesetz zurück. An sich sei Homosexualität in Russland gar nicht verboten. Auf eine Einschränkung weist der Präsident vor Olympia in Sotschi aber doch hin.
Offen homosexuelle Spitzenpolitiker oder Sportler gibt es, aber keinen einzigen Topmanager oder Spitzenbanker. Warum nicht? Wir haben darüber mit Bernd Schachtsiek gesprochen, dem Vorsitzenden des Verbands schwuler Führungskräfte „Völklinger Kreis“.
Homosexuelle Mitarbeiter gehören in vielen Branchen noch zu den Exoten. Oft fällt es schwer, mit dieser Sonderrolle zurechtzukommen. Und wer sich nicht rechtzeitig outet, hat den angemessenen Zeitpunkt dafür irgendwann verpasst.
Seit Jahren hat sich die philippinische Altenpflegerin Rose Fostanes in Israel mit befristeten Anstellungen durchgeschlagen. Als absolute Außenseiterin trat sie bei der Castingshow „X-Factor“ an - und gewann die Herzen der Israelis.
Das unfertige Arbeitspapier über „Sexuelle Vielfalt“ an Schulen in Baden-Württemberg sorgt seit Tagen für Unmut. Kultusminister Stoch zeigt sich nicht sonderlich offen für Selbstkritik.
Die evangelische Landeskirche hat den Entwurf eines neuen Bildungsplans im baden-württembergischen Kultusministerium schon früh kritisiert – und nicht nur wegen der Verankerung des Themas „Sexuelle Vielfalt“.
Schluss mit Klischees und dummen Witzen: Thomas Hitzlsperger spricht im FAZ.NET-Interview über die Chancen seines Coming-outs und die riesige Resonanz. Die Rolle einer Ikone der Schwulenbewegung will er aber nicht einnehmen.
Die baden-württembergische SPD verteidigt die Pläne ihres Bildungsministers Stoch, die Toleranz für sexuelle Vielfalt in der Schule zu fördern. Die Petition gegen diese Pläne schüre Ängste und zeichne Zerrbilder, heißt es darin.
Es ist bemerkenswert, wie stark beim Thema Homosexualität und Fußball die veröffentlichte und die öffentliche Meinung voneinander abweichen. In der Nationalelf setzte unter den Reformern Klinsmann und Löw ein ganz und gar indiskreter Enttarnungswettlauf ein.
Nach seinem Coming-out will Thomas Hitzlsperger nicht zur „Ikone einer Schwulenbewegung im Sport“ werden. Behauptungen, er habe den Zeitpunkt bewusst vor Olympia in Sotschi gewählt, weist er in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zurück.
AfD-Chef Lucke hat den Parteitag seines zerstrittenen Landesverbands Hessen zu Kritik an „Machenschaften“ in der Partei wie am Coming-out des Fußballers Hitzelsperger genutzt. Ihm fehle darin das Bekenntnis zur Familie als Keimzelle der Gesellschaft.
Wer zu den olympischen Winterspielen fährt, muss sich vorsehen - so sieht es zumindest die amerikanische Regierung. Sie warnt ihre Bürger vor Terrorismus, Kriminalität und den Gesetzen über Homosexualität.
Eine Herausforderung für die Demokratie: Jedermann mit einem Internetanschluss darf heute online über fast alles abstimmen. Die elektronische Petition als Vox Populi?
Eine Diskussion über Homosexualität als Unterrichtsthema schlägt in Baden-Württemberg hohe Wellen. „Niemand wird durch einen Lehrplan schwul“, sagt nun der Landesschülerbeirat.
Thomas Hitzlspergers Coming-out bewegt die Nation. Für eine Talkrunde taugt das Thema aber nicht. Auch bei Maybrit Illner waren alle einer Meinung. Welch eine Überraschung!
Es sollte in Deutschland nicht so weit kommen, dass Mut dazu gehört zu sagen: „Ich bin heterosexuell, und das ist auch gut so.“
Die NSA will einen Quantencomputer bauen. Für das alte Streben nach „intelligenten Maschinen“ ist es eine gute Nachricht. Für den privaten Menschen aber nicht: Keine Kryptographie nützt dann mehr gegen den allwissenden Staat.
Das Bekenntnis von Thomas Hitzlsperger, homosexuell zu sein, stößt auf „Respekt“. Doch das ist oft nur vordergründig. Homosexuelle haben es immer noch schwer – auch in Deutschland.
Vor Jahren wollte Thomas Hitzlsperger seine Homosexualität öffentlich machen. Sein Umfeld riet ihm ab. Hitzlsperger weiß, dass er Homophobie nicht über Nacht vertreiben kann - wie das Zitat eines Profispielers beweist.
In einer Videobotschaft spricht Thomas Hitzlsperger über sein Bekenntnis, schwul zu sein. Der Fußball sei immer noch eine Macho-Welt. Dort werde Homosexualität „schlicht ignoriert“.
Wer den Fußball kennt, versteht, dass Thomas Hitzlsperger sich erst nach dem Ende der Karriere zur Homosexualität bekannte. Für den deutschen Fußball ist das Bekenntnis ein guter Anfang für mehr Toleranz, Offenheit, Respekt nicht nur in Sonntagsreden.
In Baden-Württemberg soll Homosexualität als Unterrichtsinhalt verankert werden. Dagegen protestieren Bürger mit einer Online-Petition. Die Grünen erkennen darin „ein erschütterndes Maß an Homo- und Transphobie“.
Beim Öffentlichmachen von Homosexualität kommt es immer wieder zu Begriffsverwirrungen. Denn ein Coming-out ist nicht das gleiche wie ein Outing - eine Erklärung.
Die Reaktionen auf Hitzlspergers Coming-out sind positiv. Der DFB sagt ihm „jede Unterstützung“ zu. Lukas Podolski nennt den Schritt ein „wichtiges Zeichen“. Bundestrainer Löw fordert Respekt. Auch von Politikern gibt es Lob.
Thomas Hitzlsperger ist der erste prominente deutsche Fußballer, der sein Schwulsein thematisiert. Das Bewusstsein, homosexuell zu sein, sei „ein langwieriger und schwieriger Prozess“ gewesen. Der Zeitpunkt vor Olympia in Sotschi sei bewusst gelegt.
„Solange man es nicht schwul nennt“: Was alles bedacht werden muss, wenn man die Manifesta, eine Biennale zeitgenössischer europäischer Kunst, ausgerechnet in Russland kuratiert.