Der MDR hat sein Konto überzogen
Der MDR zieht sich aus dem ARD-„Mittagsmagazin“ zurück und produziert drei Jahre lang keine neuen „Tatorte“ und „Polizeirufe“ mehr. Was ist da los? Sind die Politiker schuld? Es ist der Sender.
Die Schauspielerin Nastassja Kinski will erreichen, dass Wim Wenders Nacktaufnahmen von ihr im Alter von 13 Jahren aus seinem Film „Falsche Bewegung“ streicht. Sie stößt auf eine Mauer des Schweigens.
Der Tatort ist die erfolgreichste und am längsten laufende Krimireihe im deutschsprachigen Fernsehen. Sie wird von den Sender ARD, ORF 2 und SRF 1 zur Hauptsendezeit am Sonntagabend ausgestrahlt.
Das Konzept
Die einzelnen Tatort-Folgen werden von den unterschiedlichen Sendeanstalten der ARD sowie vom ORF (Österreichischer Rundfunk) und vom SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) produziert. Im Mittelpunkt steht dementsprechend jeweils ein regionales Ermittlerteam. Zu den beliebtesten Tatort-Ermittlern gehören die Teams Ballauf/Schenk aus Köln, Thiel/Börne aus Münster, Leitmayr/Batic aus München sowie die Kommissarin Lindholm aus Hannover. Einer der berühmtesten Tatort-Ermittler war der legendäre Horst Schimanski aus Duisburg, der zwischen 1981 und 1991 von Götz George gespielt wurde.
Folgen
Seit der Erstausstrahlung am 29. November 1970 wurden bisher über 1.000 Tatort-Folgen gesendet. Aktuell werden ca. 35 neue Folgen pro Jahr gedreht. Sowohl einzelne Folgen als auch die gesamte Krimireihe wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem renommierten Adolf-Grimme-Preis.
Der MDR zieht sich aus dem ARD-„Mittagsmagazin“ zurück und produziert drei Jahre lang keine neuen „Tatorte“ und „Polizeirufe“ mehr. Was ist da los? Sind die Politiker schuld? Es ist der Sender.
Die von den Bundesländern seit mehr als einem Jahr nicht umgesetzte Erhöhung des Rundfunkbeitrags versteht der MDR als Budget-Kürzung. Der Sender reagiert jetzt mit einer Veränderung des Programmangebots.
In einem Penthouse geschieht ein grausamer Mord. Die einzige Zeugin nimmt Reißaus. Der „Tatort“ aus Zürich startet wie ein Thriller und schaltet dann auf Asyldrama. Das Drehbuch ist schwach. Am Ende aber lohnt sich die Sache.
Alles löst sich auf. Der vorletzte Wiener „Tatort“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser überzeugt in einer WG voller schwieriger Jugendlicher und einer seltsam schwebenden Atmosphäre, in der es kaum Gewissheiten gibt.
Im Freiburger „Tatort: Innere Angelegenheiten“ geht es um Rassismus, Korpsgeist und Gewissen. Das ist faszinierend gefilmt – und klug erzählt.
100 Fälle, 35 Jahre im Kommissarsdienst im „Tatort“: Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl haben ein Kapitel TV- Geschichte geschrieben. Aber wer dachte sich ihre Figuren aus? Überleben sie auch die letzte Folge?
An Ostern treten Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl zum letzten Mal als „Tatort“-Kommissare auf. Bayerns Innenminister Herrmann verabschiedet sie in den „Ruhestand“. Das Krimifestival in Wiesbaden verleiht ihnen den Ehrenpreis.
Nach den Vorwürfen „virtueller Vergewaltigung“, die Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann erhebt, distanziert sich die Firma „Pyjama Pictures“ von ihrem Mitgründer Christian Ulmen. Er solle seine Anteile als Gesellschafter abgeben. Projekte mit ihm seien nicht mehr geplant.
Im neuen „Tatort: Fackel“ aus Frankfurt geht es um die Frage von Schuld und Verantwortung für einen verheerenden Brand. Vor allem aber geht es um die Opfer und die Perspektive der Hinterbliebenen. Das zeichnet diesen Krimi aus.
Im Ludwigshafen-„Tatort“ heißt es: Radfahrer gegen SUVs. Daraus könnte leicht ein Gut-gegen-Börse-Erzählmuster entstehen. Hier jedoch sind Tugenden und Laster verteilt. In die Gänge kommt der Film allerdings nicht.
Prostituierte, Clan-Mitglieder und offene Ermittlungen: Im Dortmunder „Tatort: Schmerz“ tauchen Figuren auf, die von den Jugoslawienkriegen gezeichnet sind. Außerdem muss noch ein Mord aus einer älteren Folge aufgeklärt werden.
Der Saarländische „Tatort: Das Böse in dir“ führt in das psychische Unterholz einer Dorfgemeinschaft. Feindschaften werden hier über Generationen gepflegt. Die Brüder Grimm und Shakespeare lassen schön grüßen.
In ihrem letzten Fall als Kommissarin Susanne Bonard geht Corinna Harfouch tief in den Wald. Nur dort kann sie klären, ob ein Wolf oder ein Mensch das Opfer, einen Obdachlosen, getötet hat. Tippt jemand auf den Wolf?
Beim Filmbrunch in München feiert der Bayerische Rundfunk seine „Tatort“-Helden Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl. Genau wie sie hören Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer in Wien auf. Der Abschied ist groß.
Einen schlechteren „Tatort“ gab es selten: Die Episode „Wenn man nur einen retten könnte“ von Radio Bremen ist ein Klischeegewitter über die Nöte der Jungen, Arm und Reich und die Zustände an der Uni.
Wenn nichts mehr bleibt: Der Stuttgarter „Tatort“ handelt von einer Kindesentführung und nimmt die Toxizität von Prominenz in den Blick. Das ist vielschichtiger als vermutet.
In der Oper Köln wird diesmal nicht nur auf der Bühne gemordet: Im Fall „Die Schöpfung“ geht es im neuen „Tatort“ hinter die Kulissen der holden Kunst. Wer hat im Alltag etwas zu verbergen, wer tut in seiner oder ihrer Rolle nur so?
Der „Tatort: Das jüngste Geißlein“ erzählt ein Horrormärchen, frei nach den Brüdern Grimm. Dass die Geschichte eindrucksvoll aufgeht, liegt nicht zuletzt an der Hauptdarstellerin Hanna Heckt. Sie ist erst neun Jahre alt.
Theaterbühne, „Tatort“ und Herzkino: Peter Sattmann prägte jahrzehntelang das deutsche Fernsehen. Nun ist der Schauspieler im Alter von 77 Jahren gestorben.
Im „Tatort: Murot und der Elefant im Raum“ schlüpft der Kommissar ins Unterbewusste einer Entführerin. Der Psychotrip ist nicht ohne Gefahr und - sehr komisch. Nur scheint uns, wir hätten so etwas bei diesem Krimi mit Ulrich Tukur und Barbara Philipp schon gesehen. Macht nichts. Die Zeitschleife lohnt sich.
Schikanen, Neid und Eifersucht: In ihrem vorletzten Fall ermitteln die Münchner „Tatort“-Kommissare Batic und Leitmayr am Theater. Der Film zeigt moralisches Versagen, will aber keine moralische Anstalt sein.
In dem Buch „Nemec & Wachtveitl – Das Münchner Kult-Duo“ von Stefanie Thyssen verraten die beiden „Tatort“-Veteranen, welche Folgen der Reihe ihnen die liebsten und welche ihnen peinlich sind. Sie dachten zwischendurch ans Aufhören.
Einen derartig packenden „Tatort“ gab es lange nicht. Thorsten Falke von der Bundespolizei hat mit der „Mocro-Mafia“ zu tun. Er ermittelt in den Niederlanden. Die neue Kollegin aus Groningen stiehlt ihm fast die Show.
In ihrem drittletzten „Tatort“ ermitteln Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer als Kommissare Fellner und Eisner in einem Pflegeheim. Die Zustände im „Haus Laetitia“ geben zu denken. Und Oberstleutnant Eisner bekommt den Moralischen. Die Pensionierung naht. Das wird hart.
Auf platten Reifen durch Münster: Beim Abschied der kettenrauchenden Staatsanwältin Wilhelmine Klemms glimmt im „Tatort“ nichts mehr. Dabei ist der Fahrrad-Plot ganz charmant. Aber da kommt kaum etwas in Gang.
Der ORF stellt die Nachfolger von Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser vor: Miriam Fussenegger und Laurence Rupp werden 2027 „Tatort“-Ermittler. Sie treten in große Fußstapfen.
Melika Foroutan und Edin Hasanovic spielen als Kommissare im Frankfurter „Tatort“ wieder groß auf und stecken das Terrain ab. Diesmal geht es um eine faschistische Sekte und eine Frau, die nicht glaubt, dass ihre Tochter tot ist.
Kein Privileg der Älteren: Der Stuttgarter „Tatort: Überlebe wenigstens bis morgen“ möchte über Einsamkeit aufklären und gibt sich dabei leider zu viel Mühe.
Aber die Mahnung verhallt auch im Schwarzwald: Im „Tatort: Der Reini“ muss eine Kollegin der Generation Z die Kommissare Friedemann Berg und Franziska Tobler vor einem Soziopathen retten.
Soll das jetzt Satire sein? Im Ludwigshafener „Tatort: Mike & Nisha“ eskaliert ein Familientreffen in der Vororthölle. Weniger Gewalt und mehr Spannung hätten dem Fall gut getan.
Migration und Lieferdienste, Rassismus und Digitalisierung: Der Berliner „Tatort: Erika Mustermann“ ist ein gesellschaftskritisches Erziehungsfilmchen.
Der „Tatort“ aus Hannover kehrt zurück zu seinen Wurzeln. Heißt: Maria Furtwängler dreht als Kommissarin Charlotte Lindholm eine Solonummer. Sie geht aufs Land, löst den Fall und alle stimmen ihr zu. Das ist recht schlicht.
Was, wenn traumatisierte Kinder zu Mördern werden? Diese Frage beschäftigt Schnabel und Winkler im Dresdner „Tatort“. Im Mittelpunkt steht ein Kinderheim. Den sonst rauen Schnabel berührt der Fall persönlich.
Das neue Team des „Tatorts“ aus Frankfurt widmet sich „Altfällen“. Was sonst True-Crime-Shows zur Unterhaltung ausbeuten, wird hier in seiner wahren Bedeutung gezeigt. Wie gelingt das?
Der Schweizer „Tatort: Kammerflimmern“ handelt von den Gefahren der Gerätemedizin. Das Thema ist stark, die Handlung aber ist verblasen, inklusive Raucherpause für die Kommissarinnen.
Der Nürnberger „Tatort: Ich sehe dich“ erzählt von dem endlosen Horror, Opfer eines Gewaltverbrechens geworden zu sein. Und siehe da: Voss und Goldwasser kommen auch ohne die pensionierte Kollegin Ringelhahn klar.